AIG unterzeichnet Rettungspaket - Ex-Chef lehnt Abfindung ab

23. September 2008, 13:15
29 Postings

Die ersten Sparten-Verkäufe könnten bereits innerhalb der nächsten sieben bis zehn Tage über die Bühne gehen - Münchener Rück und Allianz sind grundsätzlich interessiert

New York - Der von der US-Regierung vor der Pleite bewahrte Versicherer AIG will eine Verstaatlichung mit dem zügigen Verkauf von Unternehmensteilen abwenden. Dazu will der Finanzkonzern schon kommende Woche eine Liste mit Sparten vorlegen, die zur Veräußerung freigegeben werden. "Wir werden die Vermögenswerte nehmen, die wahrscheinlich sehr wertvoll sind, aber von Käufern auch in relativ handlichen Stücken verdaut werden können", sagte der neue Konzernchef Edward Liddy am Montag in einem Interview des Senders CNBC.

Detail am Rande: Der ehemalige AIG-Chef, Robert Willumstad, hat einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge eine Abfindung in Höhe von 22 Millionen Dollar zurückgewiesen. Den von ihm entwicklete Restrukturierungsplan habe er nicht umsetzten können, sagte  er zur Begründung.

Liddy wolle innerhalb der nächsten sieben bis zehn Tage eine entsprechende Liste veröffentlichen und vielleicht sogar einige der Transaktionen bereits bis dahin ausgeführt haben, sagte Liddy. Der ehemals größte Versicherer weltweit braucht dringend Kapital, um einen 85 Mrd. Dollar (58,3 Mrd. Euro) schweren Kredit der US-Notenbank Federal Reserve zurückzuzahlen, der den Konzern vor dem Bankrott bewahrt hatte. Liddy habe eine bindende Vereinbarung über das Rettungspaket unterzeichnet, teilte AIG am späten Dienstagabend mit. Das Abkommen sei im derzeitigen Marktumfeld die beste Chance für das Unternehmen, sagte Liddy, der erst seit kurzem an der Spitze von AIG steht. Liddy sagte, er hoffe, dass der Kredit "so schnell wie möglich" zurückgezahlt werden könne. Andernfalls hat die US-Regierung das Recht, fast 80 Prozent des Versicherers zu übernehmen.

Die Münchner Rück und auch die Allianz haben bereits grundsätzliches Interesse an Sparten von AIG angemeldet. Liddy, der seinen Posten am Donnerstag vergangener Woche antrat, wollte sich nicht dazu äußern, welche Unternehmensteile er abstoßen will. Spekuliert wird, dass die Flugzeugleasingsparte International Lease Finance Corp und der US-Lebensversicherer American General ganz oben auf der Liste stehen.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Liddy sagte lediglich, AIG werde nach der Umstrukturierung kleiner sein und sich auf seine traditionellen Stärken wie die Schaden- und Unfallversicherung sowie sein internationales Geschäft vor allem in Asien besinnen. "Es wird so aussehen wie vor 1998, 1999 mit weniger Abhängigkeit von Finanzdienstleistungen." Mit dem früheren AIG-Chef und Anteilseigner Maurice Greenberg arbeite er im übrigen nicht zusammen. Berichten zufolge versucht eine Gruppe von AIG-Aktionären um Greenberg eigenständig die Verstaatlichung des Versicherers auch mit Hilfe einer Kapitalerhöhung abzuwehren.

Die AIG-Aktien legte in New York am Montag infolge der Entwicklungen um mehr als 22 Prozent zu. Die Papiere von Konkurrenten wie Chubb Corp und XL Capital verloren dagegen kräftig. Analyst Andrew Barile sagte, als möglicher Käufer der Autoversicherungssparte von AIG komme Allstate in Betracht. Liddy führte den Versicherer von 1999 bis 2006.

Interner Machtkampf droht

Dem US-amerikanischen Versicherungsriesen AIG droht nach der Rettungsaktion durch die US-Notenbank ein Machtkampf zwischen Aktionären und Konzernführung. Mehrere Großaktionäre lehnen aus Sorge vor einem weiteren Wertverlust ihrer Anteile den staatlich kontrollierten Umbauplan ab. Die von der Notenbank Fed eingesetzte neue AIG-Spitze will unterdessen bereits bis zur nächsten Woche eine Liste mit den zum Verkauf stehenden Konzernteilen fertigstellen.(APA/Reuters)

Share if you care.