Premier Brown verteidigt sich

23. September 2008, 20:44
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"Nicht in Politik, um beliebt zu sein" - Der Regierungschef versuchte auf dem Labour-Parteitag, mit einer Rede sein politisches Überleben zu sichern und seine Gegner zu bändigen

Er halte viel von guter Ausbildung für Lehrlinge, sagt Gordon Brown, 57, und blinzelt fröhlich in den Teleprompter. "Aber ich muss sagen: Dies ist nicht die Zeit für Novizen." Die Blicke der Zuhörer im Saal sowie die TV-Kameras richten sich unwillkürlich auf den anwesenden Adressaten des Satzes: Außenminister David Miliband, 43. Der lächelt professionell und klatscht, wie es sich gehört.

Nach der Rede des Parteivorsitzenden auf dem Labour-Treffen in Manchester werden am Dienstagnachmittag Regierungsmitglieder im Saal ausschwärmen und den Medien in aller Unschuld versichern, der Satz sei natürlich gegen Oppositionsführer David Cameron, 41, gerichtet. Tatsächlich hat der britische Premierminister heftige Angriffe gegen die Konservativen und ihren Chef gerichtet, die in allen Umfragen weit vor der regierenden Labour-Party liegen. Aber Brown hat auch unmissverständlich die innerparteilichen Rebellen in die Schranken gewiesen und Milibands Schaulaufen der vergangenen Tage beendet.

Amerikanisierung

Wie entschlossen Brown an seiner Position festhalten will, demonstriert gleich zu Beginn der Auftritt seiner Frau Sarah - ein selbst unter dem Showmann Tony Blair unbekanntes Maß an Amerikanisierung in der britischen Politik. Die gelernte PR-Beraterin stimmt den vollbesetzten Saal mit wenigen Sätzen ein und kündigt dann "meinen Mann, den Vorsitzenden der Labour-Party, Euren Premierminister" an.

Der tritt im schwarzen Anzug und lila Krawatte vors Mikrophon und geht auch auf seine fehlende Popularität ein: Er wolle nicht beliebt sein, sondern seinem schottischen Wahlkreis und damit dem ganzen Land dienen. "Ich bin nicht nach London gegangen, um zum Establishment zu gehören, sondern um es zu verändern."
Wie in den Tagen zuvor schreibt er die wirtschaftlichen Probleme des Landes der "globalen Finanzkrise" zu. In der Krise, beschwört Brown die Parteifreunde und das Land, wolle er "der Felsen von Stabilität und Fairness sein, auf dem die Leute stehen können". Überhaupt ist viel von Fairness die Rede - von mehr Kindergarten-Plätzen, besseren Schulen, mehr Computern für Arme, Rezept-Freiheit für Krebskranke. Wie die neuen Wohltaten finanziert werden sollen angesichts steigender Staatsverschuldung und sinkender Steuer-Einnahmen, lässt der Premierminister offen.

Den lautesten Beifall erhält Brown für seine Angriffe auf die konservative Oppositionspartei. Er tadelt deren Widerstand gegen neue Raumordnungs- und Antiterror-Gesetze, nennt die EU-skeptische Haltung der Konservativen "extrem und isolationistisch".

Stärkerer Einsatz

Hingegen wolle Labour "mit unseren Partnern in der EU zusammenarbeiten" . In der Außenpolitik kündigt Brown stärkeren Einsatz für die Demokratie in Birma, Zimbabwe und der sudanesischen Unruhe-Region Darfur an.

Als erstes aber reist Brown am heutigen Mittwoch nach New York. Am Rand der UN-Vollversammlung will er Vorschläge für eine bessere Regulierung der globalen Finanzmärkte machen. In Großbritannien soll die Finanzaufsichtsbehörde FSA "rücksichtslosen Spekulanten" einen Riegel vorschieben. Einzelheiten bleibt der selbsternannte Wirtschaftsfreund Brown in seiner Rede schuldig - schließlich hat die Arbeiterpartei in den vergangenen 15 Jahren den Finanzdienstleistern beinahe jeden Wunsch erfüllt. (Sebastian Borger aus Manchester/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2008)

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