Stubenmadlfüße, gebacken

23. September 2008, 17:00
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Simmering und Essensberg, ganz ohne Brutalität: Harald Fidler reist diesmal über 1110 Wien ins Innere des Tieres

Sehen Sie gerne das Weiße in den Augen des Servierpersonals? Dann reisen Sie doch nach Simmering, in die Braunhubergasse, gehen in's Gasthaus Stern, schauen kurz in die Karte und fragen dann: Sagen's, bitte, was sind eigentlich Stubenmadlfüß'. Auch wenn dieses Angebot gerade nicht auf der Karte steht (vor ein paar Wochen waren sie dort noch zu finden): Die Personalpupillen schwenken ruckartig nach oben, um ein tiefes Seufzen auch optisch glaubwürdig umzusetzen. Nicht grantig, nicht unfreundlich, nicht wirklich genervt, einfach erschöpft.

Dann kommt etwas von entbeinten Schweinefüßen, gesulzt und gebacken. Der unkorrekte Chauvi in mir hatte sowas ohnehin erwartet. Dass ich die Stubenmadelfüß' dann doch nicht bestellt hab, lag aber keineswegs am politisch etwas korrekteren Rest meiner Existenz. Vielmehr daran, dass Sulz ein etwas schwierigeres Thema ist, und gebacken sowieso, auch ohne Sulz. Und wenn ein Wirtshaus schon eine eigene Karte für Innereien auflegt, warum mit solchen Äußerlichkeiten aufhalten?

Beherzt gewürzt

Rasch also zu den inneren Werten: Schweinsniere mit Ei und Petersilerdäpfeln zum Aufwärmen, sehr crunchy, sehr anständig. Ein kleiner Abstecher auf den Teller meines nicht minder beherzten Gegenübers für ein paar Gabeln Beuschel mit Knödeln. Mir bisschen zuviel Thymian, die Knödel ein bisschen fad, aber insgesamt schon ganz ok. Gewürzt wird hier offenkundig auch sonst eher beherzt, was nicht zwingend ein Fehler sein muss: Die insgesamt sehr erfreuliche geröstete Kalbsleber hatte a) eine recht ausgeprägte Schärfe und b) mir ein bisschen viel Majoranaroma.

Alle Portionen übrigens, wie es einem Vorstadtgasthaus geziemt. Schon wegen deren Größe hab ich dann einfach keinen Kostlöffel von den Joghurtnockerln auf Erdbeerspiegel runtergebracht. Sollen aber sehr gut gewesen sein, hört man.

PS: Zur Vorbereitung, wie rasch die Pupillen nach oben gehen, können Sie auch die Tages- und Speisekarte per Mail abonnieren, unter www.gasthausstern.at gibt es sie natürlich auch. Vorher einfach kurz checken, ob die Stubenmadlfüß' gerade zu haben sind. Und, sollten Sie sie probieren: Bitte um Bericht!

 

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Der Charme des Astlochs, sehr klassisch: Gasthaus Stern
 
Gasthaus SternBraunhubergasse 6
1110 Wien
01 749 33 70
www.gasthausstern.at
    foto: gasthausstern.at

    Der Charme des Astlochs, sehr klassisch: Gasthaus Stern

     

    Gasthaus Stern
    Braunhubergasse 6
    1110 Wien
    01 749 33 70
    www.gasthausstern.at

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