Börsianer trotz US-Pakets skeptisch

22. September 2008, 21:07
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Die Skepsis bleibt auch nach der Ankündigung des US-Rettungspakets für Banken groß - Es wird befürchtet, es sei noch nicht die ganze Wahrheit zutage getreten

In Europa und den USA fielen die Kurse, in Wien stiegen sie.

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Frankfurt / Wien / New York - Die Bemühungen von Regierungen und Zentralbanken um ein stabiles globales Finanzsystem konnten die europäischen Aktienmärkte am Montag nur so lange stützen, bis aus den USA wieder Pessimismus herüberschwappte. Das von der US-Regierung beschlossene Hilfspaket über 700 Milliarden Dollar könnte noch immer nicht genug sein, um weitere Dominosteine im Finanzsystem vor dem Fallen zu bewahren.

Auftrieb für die Börsen gab es nur kurzzeitig durch kolportierte Pläne der größten japanischen Bank Mitsubishi UFJ Financial Group, mit bis zu 20 Prozent bei der US-Bank Morgan Stanley einsteigen zu wollen.
Nach wie vor seien die Anleger extrem nervös: "Nach der Hektik der vergangenen Tage lehnen sich viele zurück und überlegen, was das Rettungspaket für die US-Banken bedeutet" , sagte ein Händler. "Hilft es wirklich oder verschleiert es nur die wahren Probleme?"

Der Dax in Frankfurt kippte am Montag im Sog der US-Börsen ins Minus und verlor bis zum Handelsende 1,3 Prozent. Auch der europäische Stoxx50-Index gab 2,3 Prozent ab. Eine Verschnaufpause wurde Wien vergönnt: Die Wiener Börse hat die Sitzung am Montag gut behauptet beendet. Der ATX stieg 0,23 Prozent auf 3220,36 Einheiten.

Auch in den USA ging es wieder deutlich bergab: Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe notierte auch der Dow-Jones-Index 2,1 Prozent tiefer.

Auch ein Anstieg des Ölpreises belastete: Ein Fass US-Leichtöl verteuerte sich um 4,4 Prozent auf 109,11 Dollar. Händler begründeten den Preisanstieg mit dem fallenden Dollarkurs. Aus Industriekreisen verlautete zudem, Saudi-Arabien habe seit Monatsanfang die Öllieferungen an große internationale und US-Raffinerien eingeschränkt. Seitdem der Hurrikan "Ike" an der texanischen Küste eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat, ist zudem die Ölförderung im Golf von Mexiko eingeschränkt.

Positiv wirkten hingegen milliardenschwere Aktienrückkäufe von Microsoft und Nike.
Weltweit legten Finanzwerte eine Berg- und Talfahrt hin. Die Kursgewinne schmolzen am Nachmittag dahin, der europäische Bankenindex ging mit einem Minus von 3,5 Prozent aus dem Handel.
Der Goldpreis zog am Montag wieder an, weil der Dollar fiel. Auf dem Spotmarkt stieg die Feinunze Gold von 871 auf über zeitweise mehr als 894 Dollar. Ein Euro war am Montagnachmittag 1,4772 Dollar wert, das entsprach einem Anstieg von fast zwei Prozent. (ag, red/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2008)

 

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