Kopf des Tages: Wahlsieger Borut Pahor gewann mit der sanften Tour

22. September 2008, 19:08
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Lieber verlieren als zu scharf attackieren

"Leben und leben lassen" sei sein Motto, sagt Borut Pahor, und man glaubt es ihm gern. Er selbst kann gut schwimmen, Rad fahren und laufen. Aber ein "Iron Man" ist der 44-jährige Triathlon-Sportler gerade nicht. In den zehn Jahren, die Pahor die slowenischen Sozialdemokraten anführt, kamen immer wieder Zweifel, ob der freundlich-harmlose Mann sich im Ernstfall wirklich durchsetzen könnte.

In der TV-Konfrontation mit seinem Gegenspieler, dem stets finster-entschlossenen Janez Jansa, misslang ihm das jedenfalls gründlich: Minutenlang lächelte Pahor verbindlich zu den Tiraden des Premiers, fuhr telegen die Arme aus und versuchte vergeblich, dazwischenzukommen.

Selbst beim Sport wirkt der politische Ziehsohn von Expräsident Milan Kuèan ein bisschen ferngesteuert. Er müsse "aufpassen, nicht süchtig danach zu werden", vertraute er einer Frauenzeitschrift an.

Feinde hat der Mann mit dem milden Lächeln und der angenehmen Stimme keine. Wohl aber Spötter: Weil er sich sein Politologie-Studium mit Auftritten als Dressman verdiente und sich von Fotografen auch heute noch zu Katalogposen verführen lässt, verhöhnen ihn seine Gegner als "Barbie-Puppe".

Pahor nimmt es hin. Noch auf unverschämte Fragen, etwa ob er schwul sei, antwortet der mit einer Anwältin verheiratete Vater eines Buben nur kopfschüttelnd und mit gequältem Lächeln.

Machthunger, wie er Jansa nachgesagt wird, kann Pahor niemand unterstellen. Was ihm zu Sloweniens Zustand einfällt, klingt angenehm unaufgeregt. Die Politik habe im Alltagsleben "zu viel Gewicht", und Wahlsiegern winke eine "zu fette Beute" - eine schüchterne Attacke auf die bullige Personalpolitik, mit der Jansa in den vergangenen vier Jahren auffiel.

Interviewer loben seine ernsthaften und bemühten Antworten, fragen sich aber, ob Pahor im Reich des Willens wirklich zu Hause ist. Angreifen jedenfalls will er nicht: Dann verzichte er lieber darauf zu gewinnen, beschied er Kritikern.

Geboren 1963 an der italienischen Grenze, schloss er sich als Gymnasiast mit 14 der sozialistischen Jugendorganisation an und wurde mit 26 jüngstes Mitglied des KP-Zentralkomitees. In die Niederungen der slowenischen Tagespolitik hat der Reformer sich nie zu tief vergraben; lieber debattierte er gepflegt beim Europarat oder im EU-Parlament. Gern wäre Borut Pahor im letzten Jahr Präsident geworden, in Slowenien eine zeremonielle Rolle. Jetzt muss er Politik machen. (Norbert Mappes-Niediek/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2008)

 

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    Borut Pahor, Wahlsieger

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