Kriminalstatistik: Zahlen-Verweigerung

22. September 2008, 18:39
25 Postings

Die Polizei veranstaltet eine Pressekonferenz zur Kriminalstatistik und bietet keine einzige Zahl - von Michael Möseneder

Eigentlich ist es eine erstaunliche Leistung. Die Polizei veranstaltet eine Pressekonferenz zur Kriminalstatistik und schafft es, keine einzige Zahl zu bieten. Wie viele Kriminalitätsopfer es gibt? Hat man leider gerade nicht parat. Welche Kriminalitätstendenz sich im internen Drei-Monats-Vergleich erkennen lässt? Sagt man nicht, da nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Obwohl man zugibt, dass die internen Zahlen im Gegensatz zu den offiziellen ein Kriminalitätsplus zeigen.

Dass es die Öffentlichkeit vielleicht doch interessieren könnte, ob sie jetzt häufiger oder seltener Opfer von Kriminalität wird, wird dabei ignoriert. Stattdessen versucht man zu erklären, warum welche Delikte wie in welche Datenbank kommen - und offenbart dabei weitere Seltsamkeiten.

Gleichgültig, ob die Behauptung von Herwig Haidinger, ehemals Chef des Bundeskriminalamtes, stimmt, dass auf Kabinettswunsch die Zählmethode verändert worden ist: Um den Vorwurf der Manipulation wirksam zu kontern, müsste die Polizei alle Zahlen offenlegen.

Umso mehr, als sich zumindest in Wien bei manchen Kriminalisten der Eindruck verfestigt, die Kriminalstatistik habe nicht mehr viel mit ihrem Arbeitsalltag zu tun. Unter der Hand wird da geschildert, wie man Fall um Fall in den Computer tippt, nur um am Monatsende plötzlich zu hören, die Kriminalität sinke unaufhörlich weiter.

Dass der Einzelne die Gesamtsituation nicht kennt - geschenkt. Aber dass sich die oberen Chargen schlicht weigern, Daten bekanntzugeben, wenn Gerüchte derart wuchern, ist mehr als unprofessionell. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 23. September 2008)

 

Share if you care.