Fiona bestätigt Faymann

22. September 2008, 18:32
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"Es wird täglich alles teurer und egal, ob arm oder reich: Wir müssen alle sparen!", analysiert die Kristallökonomin Fiona die Lage

Das Krisengerede der diversen Börsengurus von George Soros bis hinunter zu den Wirtschaftsredakteuren der "Presse" kann den unbelehrbaren Schwärmer für die Segnungen des Kapitalismus nicht erschüttern. Umso heftiger muss ihm ein Schock in die Glieder gefahren sein, als er Freitag auf den Wirtschaftsseiten von "Life and Style", der Werktagsversion von Wolfgang Fellners "Madonna", den Verzweiflungsschrei der missionarischen Gewerbetreibenden Fiona Swarovski registrieren durfte: "Auch Reiche sparen!"

Der Horror dieser Meldung wird noch dadurch verschärft, dass dieser Spartrieb weder selbstgewählter Askese noch neuer Bescheidenheit, sondern nacktem Zwang entspringt. Der Dollar liegt im Keller, Investmentbanken gehen pleite, wir steuern einer großen Weltwirtschaftskrise entgegen, analysiert die Kristallökonomin die Lage. Es wird täglich alles teurer und egal, ob arm oder reich: Wir müssen alle sparen! Und im Interview mit ÖSTERREICH erklärt Fiona Swarovski ihr Lebensmodel (sic!), wie sie die Sache mit Gemüse & Co. eigentlich meint und warum es für Österreich "gut wäre", wenn ihr Ehemann und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (39) wieder zurück in die Politik geht.

Sie wird ihn doch nicht schon wieder einsparen wollen?! Ihre ihn betreffende Erklärung, was für Österreich "gut wäre", ist jedenfalls von vegetarischer Unschärfe: Vielleicht wäre es für Österreich nicht schlecht. Aber das müssen Sie ihn fragen. Er ist alt genug und weiß, was er will.

Vielleicht will er sich einfach auf den bei Meinl verdienten Lorbeerblättern ausruhen und Seite an Seite mit seiner Frau durch den Anbau von Gemüse & Co. die Weltwirtschaftskrise bekämpfen. Auch wenn er das nicht will, wird ihm angesichts des kristallinen Prekariats gar nichts anderes übrig bleiben, hat sie doch schon verkündet: Wer den Platz und die Möglichkeit hat, sollte zu Hause Gemüse anbauen, meine ich, dass wir alle so weit wie möglich zur teilweisen Selbstversorgung zurückkehren sollten.

Sie bewies damit auch, wie haltlos die von einer abwegigen Fantasie diktierten Gehässigkeiten Molterers und Van der Bellens gegen Werner Faymanns geniale Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sind. Vom billigen Bad der Reichen in Champagnerströmen war da die Rede, und wie sie sich noch lüsterner in nachgeschmissenen Trüffeln und Kaviar wälzen könnten. Die Wahrheit sieht anders aus, denn das ist Frau Swarovskis Anleitung zur Selbsthilfe gegen die Teuerung: "Getrunken wird Wasser. Basta!" Nicht nur das. Fiona baut selber Gemüse an und bezieht Eier und Milch direkt vom Bauern. Und das sind keine Wachteleier! Ich habe eine Getreidemühle und backe mein eigenes Brot. Am liebsten hätte ich meine eigenen Hühner.

Da bringt eine Halbierung der Mehrwertsteuer viel, und um die Hühner könnte sich der Karl-Heinz kümmern, alt genug ist er ja. Zwei Tage später wärmte "Österreich" dieselbe Geschichte noch einmal auf, weil Fellner befand, Frau Swarovskis Interview zur neuen Bescheidenheit erregte das Land, was allerdings auf einer von medialem Priapismus induzierten Verwechslung von Österreich mit "Österreich" beruht. Einen Sturm der Entrüstung habe sie damit hervorgerufen. Woran sich die Society stößt: Nicht jeder verfügt über ausreichend Platz für den landwirtschaftlichen Eigenanbau.

Was aufs Neue beweist, wie sozial treffsicher Faymann schießt - wenn sich nicht einmal mehr die Society von den Wurzeln und Knollen aus eigenem Grabeland nähren kann, wie muss dann erst der Mittelstand leiden! "Österreich" kann nur das Resümee ziehen: Mit Pelz und Designer-Robe zu den Salzburger Festspielen. Daheim bei den Grassers gibt's Wasser und Schnittlauchbrot. Aber Armut ist ja keine Schande.

Sogar treuen Lesern der "Krone" wird der dort praktizierte Faymann-Kult zu viel. Samstag sah sich die Redaktion zu einer Stellungnahme veranlasst. Es ist nicht richtig, dass die "Krone" nur für Faymann ist. Allerdings muss bedacht werden, dass er ein Politiker ist, der es fertig brachte, Bundeskanzler Gusenbauer und einen Teil seiner Partei zu überzeugen, dass man von der "Parteiendiktatur" wegkommen müsste. Ein solcher politischer Mut verdient Beachtung.

Mehr Beachtung verdient der Übermut, mit der hier dem Übergang von einer immerhin vom Volk legitimierten "Parteiendiktatur" zu einer aus Steuermitteln mitfinanzierten, von Geschäftsinteressen bestimmten Mediendiktatur eines senilen Boulevardzaren Vorschub geleistet wird. (Günter Traxler/DER STANDARD; Printausgabe, 23.9.2008)

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