Alpenglüh'n auf Italienisch

22. September 2008, 18:12
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Im Kleid eines trivialen Bauernschwanks: "La Wally" , eine Oper von Alfredo Catalani, nach "Die Geier-Wally" im Stadttheater Klagenfurt

Dass alpin-rustikale Romantik nicht nur des Österreichers Seele rührt, unterstrich im ausklingenden 19.Jahrhundert der italienische Komponist Alfredo Catalani, der das Libretto von Luigi Illica nach dem Roman Die Geier-Wally von Wilhelmine von Hillern mit den damals üblichen Ingredienzien des Genres in mehr oder minder bedeutungsvolle Töne setzte. Zaghafte Versuche, der läppischen Textvorlage aktuelle Bezüge (starke Frau in böser Männerwelt) abzuringen, münden beim Klagenfurter Saisonstart in lächerlich simplifizierende Charakterisierungen: Regisseur Reto Nickler gelingt es, dem fahlen Stück den letzten Rest an Spannung zu nehmen, indem er das Geschehen in der Manier eines allzu trivialen Bauernschwanks abrollen lässt, kräftig unterstützt von den "authentischen" Gewandungen Marie-Luise Waleks.

Die sängerischen Leistungen passen sich dem bescheidenen Inszenierungsniveau bereitwillig an: Lediglich Yannick-Muriel Noah (Wally) sowie Kristof Klorek (deren Vater) überzeugen mit ausdrucksstarken Darbietungen. Chor und Orchester finden nicht immer synchron zueinander, unter Peter Marschiks Leitung geraten die Musiker nicht unbedingt in Musizierlaune. Warum Intendant Köpplinger ausgerechnet diesen Ladenhüter an den Saisonanfang stellt, bleibt unerklärlich: Die halbherzigen Reanimations-versuche sind jedenfalls kläglich gescheitert! (bay, DER STANDARD/Printausgabe, 23.09.2008)

>> Stadttheater Klagenfurt, (0463) 540 64. Bis 8. 11.

  • Artikelbild
    foto: helge bauer
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