FMA kontrolliert Leerverkäufe in Wien schärfer

22. September 2008, 21:00
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Grenze für den Verdacht auf Marktmissbrauch wesentlich nach unten revidiert worden

Wien - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat in einem Rundschreiben am Montag die "Meldepflicht für verdächtige Transaktionen" gemäß Marktmissbrauchsrichtlinie der EU präzisiert. Demnach sieht die FMA eine "Netto-Short-Position" von mehr als 0,25 Prozent des ausgegebenen Kapitals als "wesentliches Indiz" für das Vorliegen von Marktmissbrauch an.

Short-Position (Leerverkauf) heißt, dass ein Anleger Aktien, die er sich gegen Gebühr ausgeliehen hat, verkauft und hofft, sie später günstiger nachkaufen zu können, um sie zurückzugeben. Netto-Short-Position weist darauf hin, dass die FMA den Saldo aller Leerverkaufspositionen über alle Produkte, also nicht nur Aktien, sondern auch Derivate wie Optionen, Futures, Wandelanleihen oder CfDs, berücksichtigt.

Außerdem haben Wiener Börse und die Abwicklungsstelle CCP.A mit der FMA die Periode zur Eindeckung nicht zeitgerechter Lieferungen von zehn auf zwei Tage (ab Kaufzeitpunkt) verkürzt.

Andere Staaten können Short-Sellings gesetzlich verbieten, in Österreich geht das aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen nicht. Börsianer in Wien berichteten am Freitag, dass die Verleiher von Aktien, meist Banken, merklich vorsichtiger geworden seien. Die Sprünge der Märkte am Freitag hätten die Short-Seller selbst unter Druck gebracht. (red/DER STANDARD Printausgabe, 23. September 2008)

 

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