Stonehenge wird wieder ein wenig umdatiert

23. September 2008, 11:32
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Zwei Forscher widmeten sich dem Kreis aus Blausteinen und zogen 300 Jahre von seinem Alter ab

London - Die weltberühmte Anlage von Stonehenge ist, wie bekannt, nicht in einem Rutsch entstanden: Forscher teilen die Errichtung in eine ganze Reihe von Phasen ein, die sich insgesamt von etwa 3100 bis 1700 v. Chr. erstrecken. Die Megalith-Kreise, mit denen man Stonehenge assoziiert, sind nur ein Teil der Anlage, wenn auch der auffälligste. Es gibt Ringe von Blau- und von Sarsensteinen - bei ersteren waren Forscher davon ausgegangen, dass der älteste Kreis zwischen 2500 und 2600 vor Beginn unserer Zeitrechnung errichtet worden war. Professor Timothy Darvill von der Universität Bournemouth und Geoff Wainwright, Präsident der Society of Antiquaries, glauben nach Entnahme von Materialproben und längeren Untersuchungen hingegen, dass der Kreis etwa 300 Jahre jünger ist. Sie hatten als eine der ersten Wissenschaftergruppen überhaupt die Erlaubnis bekommen, zwischen den gewaltigen Quarzsteinen umfangreiche Tiefenuntersuchungen an den ursprünglichen Steinkreisen vorzunehmen.

Kritiker werfen den beiden hingegen vor, dass sie die Ergebnisse für ihre Wünsche abgerundet hätten. So ließe die Analyse aufgrund ihrer Ungenauigkeit eine Zeitspanne zwischen 2400 und 2200 als Entstehungszeit zu. "Man hat einfach einen schönen Durchschnittswert genommen", meint ein Experte auf BBC-Anfrage. Genauere Untersuchungen in den kommenden Monaten sollen zeigen, welche der beiden Seiten recht hat.

Einmal mehr vertraten Wainwright und Darvill auch ihre These, dass es sich bei Stonehenge um ein "prähistorisches Lourdes" gehandelt habe. "Wir haben mehrere Gründe gefunden, die uns glauben lassen, dass die Steine im Glauben an einen Heilungsprozess errichtet wurden", sagte Wainwright am Montag in London. Ein Indiz ist das Material der Blausteine selbst: Dolerit. Dieses Gestein wurde nach Angaben der Archäologen wegen seiner überlieferten Heilwirkung geschätzt. Zahlreiche Steinsplitter, wie sie bei der Ausgrabung zutage gefördert wurden, seien auch in Gräbern in der Umgebung gefunden worden - was die Verehrung belege, die ihnen entgegengebracht wurde.  (APA/pte/red)

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    Timothy Darvill (links) und Geoff Wainwright mit Materialproben, auf die sie ihre These stützen.

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