Mächtige Finanzspritze aus Norwegen

22. September 2008, 16:45
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Insgesamt 645 Millionen Euro will das Land in den internationalen Fonds zum Schutz der Amazonas-Region einzahlen

Oslo/Wien - Norwegen wird sich am Amazonasschutz-Fonds mit einer Milliarde Dollar (umgerechnet 645 Millionen Euro) beteiligen: Dies gab Ministerpräsident Jens Stoltenberg bei einem Besuch in Brasilien bekannt. Sein Land plane, noch in diesem Jahr 21 Millionen Euro in den Fonds einzuzahlen. Bis zum Jahr 2015 sollen dann die übrigen Millionen in mehreren Runden fließen. Doch stellte der Sozialdemokrat auch Forderungen für die Weiterausschüttung des Geldes auf: So müsse Brasilien erst einmal selbst dazu beitragen, dass das Abroden des Regenwaldes gestoppt werde.

"Anstrengungen gegen die Abholzung könnten für die größten, schnellsten und billigsten Reduktionen beim Ausstoß von Treibhausgasen sorgen", sagte Stoltenberg. Dabei ist der Amazonas im doppeltem Sinne wichtig für das Weltklima. Denn zum einen bindet seine gigantische Pflanzenwelt das ausgestoßene Kohlendioxid und zum anderen sorgt das großflächige Abholzen des Waldes für 75 bis 80 Prozent der brasilianischen Kohlendioxid-Emissionen. Geschätzte 400 Millionen Tonnen Treibhausgase kommen so jährlich zusammen.

Fonds als Hoffnungsträger

Erst Anfang August hatte der brasilianische Präsident Luis Inacio Lula da Silva den internationalen Fonds gegründet. Aus diesem sollen nach Vorstellungen von da Silva Projekte finanziert werden, die den Bewohnern des Amazonas Alternativen zum flächendeckenden Roden aufzeigen. "Dieser Fonds hat aufgrund seiner internationalen Verankerung auch sehr gute Chancen ein Meilenstein im Schutz des Amazonas zu werden", sagt Bernhard Obermayr, Waldexperte bei Greenpeace. Denn im Gegensatz zu Vorgängerprojekten stehe hier die brasilianische Regierung nicht alleine mit ihrer Idee, sondern habe bereits zahlreiche internationale Hilfszusagen erhalten. "Wichtig ist, dass dieses Mal auch NGOs und lokale Gruppen vor Ort in die Planung mit einbezogen wurden. Denn diese wissen am besten, was für die Region gut ist", so Obermayr weiter. Zudem wird das Geld von der nationalen Entwicklungsbank (BNDES) verwaltet, in deren Gremien neben Regierungsmitgliedern auch einheimische Bürger sitzen.

Bis 2021 soll der Fonds über insgesamt 14,5 Milliarden Euro verfügen, mit denen nachhaltige und umweltschützende Projekte realisiert werden. Dabei steht für Greenpeace an vorderster Stelle, dass nicht noch mehr Infrastrukturadern durch den Regenwald gezogen werden. "Wenn erst einmal eine Straße da ist, dann dauert es nicht lange, bis Plantagen-Mogule Gebiete rechts und links dieser roden, um dort Soja und Co. anzubauen", führt Obermayr aus. Nur wenn skrupellose Geschäftsleute nicht mehr den Regenwald ausbeuten, sei eine Symbiose zwischen Mensch und Wald wieder möglich. Dabei betonte Obermayr, dass der Wald durchaus ein Lebensraum für den Menschen war, ist und auch bleiben sollte. Denn bei ökologischer und nachhaltiger Nutzung könnten sowohl Wald als auch der Mensch sehr gut nebeneinander auskommen. (pte)

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    Jens Stoltenberg kam nicht mit leeren Händen zu "Lula"

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