Austro-Bausparkassen spüren die Krise

22. September 2008, 16:00
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Wohnbaufinanzierungen gingen insgesamt um rund 30 Prozent zurück - "Konditionenschlacht" drückt auf Bauspareinlagen

Wien - Die US-Subprimekrise schlägt Wellen bis vor die Türen der heimischen Bausparkassen: "Im Darlehensbereich werden wir als konservatives Produkt vorgereiht", verwies der Generaldirektor der s Bausparkasse, Josef Schmidinger, am Montag auf die garantierte Zinsobergrenze von sechs Prozent. Doch Herr und Frau Österreicher sind in den vergangenen zwölf Monaten (noch) vorsichtiger geworden und halten sich generell mit Immobilieninvestments zurück.

Weniger Bausparer kaufen Immobilien

Zwar könnten die Bausparkassen in der jetzigen Hochzinsphase mit ihren garantierten Zinsobergrenzen punkten, doch überlegen die Kunden jetzt noch viel gründlicher, ob sie sich die erträumte Immobilie überhaupt leisten können. Seit einem Jahr seien Bauspardarlehen zwar wieder mehr gefragt als vor Beginn der Subprime-Krise. Doch "am Immobilienmarkt ist in der Nachfrage eine Beruhigung eingetreten - weniger Kunden kaufen Immobilien", räumte Schmidinger ein. Die Wohnbaufinanzierungen der Sparkassen seien um 25 bis 30 Prozent zurückgegangen. "Dadurch wird der Finanzierungsrekord bei uns heuer nicht erreicht", sagte der s-Bausparkassen-Chef und verwies auf ähnliche Ankündigungen des Branchenkollegen Raiffeisen.

Wie vor dem Wochenende bekannt wurde, wird auch die Raiffeisen Bausparkasse heuer bei einer voraussichtlichen Finanzierungsleistung von knapp 1 Mrd. Euro hinter dem Vorjahreswert von 1,139 Mrd. Euro herhinken. Die Österreicher agierten bei ihren Investitionen zunehmend vorsichtig, konzedierte Raiffeisen-Bausparkasse-Generaldirektor Erich Rainbacher und verwies auf den gestiegenen Baukostenindex und steigende Kreditzinsen.

Die Kunden halten sich aber nicht nur beim Erwerb neuer Immobilien zurück, sondern lassen auch beim Bausparen spürbar nach: "Wir Bausparkassen hatten heuer im ersten Halbjahr um 500 Mio. Euro weniger Einlagen", bedauerte Schmidinger. Bei den Spareinlagen sei eine "relativ massive Konditionenschlacht" im Gange. Die vier österreichischen Bausparkassen - Raiffeisen Bausparkasse, s Bausparkasse, Allgemeine Bausparkasse (ABV) sowie Wüstenrot - müssen sich derzeit mit den hohen Sparzinsen bei den Banken matchen.

Sparer zieht es zum Sparbuch

Die vier Bausparkassen insgesamt sind zwar bei der Deckung der vergebenen Kredite noch im Plus - Ende Juni lagen die Einlagen der österreichweit 6,2 Millionen Bausparer mit 16,994 Mrd. Euro um fast 1 Mrd. Euro über den Ausleihungen (15,998 Mrd. Euro). Doch die s Bausparkasse hinkte per Ende August mit ihren Einlagen in Höhe von 5,4 Mrd. Euro hinter den Ausleihungen in Höhe von 6,3 Mrd. Euro her. Der fehlende Betrag wurde bisher mit Wohnbauanleihen (300 Mio. Euro) überbrückt, der Rest kam von der Muttergesellschaft Erste Bank.

Die Sparer legen ihr Geld derzeit lieber kurzfristig bei den Banken an und bekommen dafür höhere Zinsen bis zu fast 5 Prozent. "Bei diesem Fokus auf Performance fehlt allerdings der mittelfristige Anlagehorizont", kritisierte Schmidinger. Die Bausparzinsen lägen zwar leicht darunter, seien dafür aber auf längere Sicht garantiert als nur auf ein Jahr. Mit Wohnbauanleihen seien 4 Prozent fix vereinbar - für eine Laufzeit von zwölf Jahren. "Bei uns sind die Einlagen sicher", betonte Schmidinger. Im übrigen seien die heimischen Bausparkassen nicht einmal im Ansatz vergleichbar mit den jüngst in die Schlagzeilen geratenen US-Baufinanzierungsbanken Fannie Mae und Freddie Mac sowie der britischen Investmentbank für Baufinanzierung HBOS, die wegen ihrer uneinbringlichen Milliardenkredite in die Schlagzeilen geraten sind. (APA)

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