"Von einer Heilung weit entfernt"

22. September 2008, 14:56
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In Österreich hat jeder Vierte ein Allergie-problem, weltweit leiden 700 Millionen Menschen an einer allergischen Rhinitis oder Asthma - Trotzdem bleiben viele Rätsel ungelöst

"Unbestritten spielt eine genetische Disposition als Basis für die Ausbildung der verschiedenen allergischen Erkrankungen eine zentrale Rolle", so Harald Renz, Chef der Abteilung für Klinische Chemie und Molekulardiagnostik an der Universitätsklinik Marburg.

Sein ernüchterndes Resümee anlässlich des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) in Wien: "Von einer Heilung allergischer Erkrankungen - einschließlich Asthma bronchiale - sind wir nach wie vor weit entfernt, da Allergien und Asthma das Resultat komplexer Wechselwirkungen zwischen Gen-Umweltbeziehungen sind."

Risikofaktoren im Detail unbekannt - keine Primärprävention

Was immer auch in der jüngeren Vergangenheit versucht wurde, eine echte Vorbeugung ist nicht möglich. Renz: "Die Lebensweise wäre potenziell veränderbar. Allerdings wäre die Voraussetzung für eine Vorbeugung, dass wir die Risikofaktoren im Detail kennen und verstehen. Davon sind wir weit entfernt." So gibt es keine Primärprävention für Allergien und Asthma.

Eine kleine Chance könnte hier die Hygienehypothese sein, wonach Kinder, die schon ab dem Säuglingsalter mit banalen Keimen und Allergenen ausreichend in Kontakt kommen, seltener allergische Erkrankungen entwickeln. Könnte man hier die dafür verantwortlichen (bakteriellen) Komponenten identifizieren und sie als "Abhärtung" bei Babys verwenden, böte sich eventuell die Chance auf eine Vorbeugung.


Genetische Asthma-Anlagen quer durch das Erbgut

Zwar haben Wissenschafter im menschlichen Erbgut zahlreiche Mutationen entdeckt, die mit allergischen Erkrankungen in Verbindung stehen. Unklar bleibt aber welche Umweltbedingungen zur Ausbildung der einen oder anderen allergischen Erkrankung führen. "Hier spielen offensichtlich insbesondere Lebensverhältnisse, wie wir sie in den Industrienationen vorfinden, eine besondere Rolle als Risikofaktoren", so der deutsche Experte.

Heilung bleibt ein "Traum"

Ein Traum bleibt auch derzeit die Heilung allergischer Erkrankungen: "Aufgrund eines besseren Verständnisses des immunologischen Konzepts allergischer Erkrankungen wurden im vergangenen Jahrzehnt mehrere potenzielle Ziele für Therapien identifiziert. Leider sind im Prinzip aber fast alle dieser Ansätze ins Leere gelaufen", fasst Renz die Ergebnisse zusammen.

Gründe der Fehlschläge: unbekannt

Dazu gehörten zum Beispiel Biotech-Medikamente wie monoklonale Antikörper gegen Interleukin 4, Interleukin 5 und ähnliches. Nur ein monoklonaler Antikörper gegen das von Asthmapatienten im Körper vermehrt gebildete Immunglobulin E (IgE) fand den Weg in die Anwendung bei Patienten mit schwerem allergischen Asthma. Ernüchternd: Die Gründe für die Fehlschläge an sich plausibler Konzepte sind ebenfalls noch unbekannt.

Unbefriedigendes Cortison

Doch die Wissenschafter, die weltweit Asthma erforschen, haben noch ein zusätzliches Problem, das sie lösen sollten: Seit Jahren weiß man, dass es bei der Kontrolle der Erkrankung primär auf die antientzündliche Behandlung - vor allem mit Cortison zum Inhalieren - ankommt. "Aber den Langzeitverlauf der Erkrankung beeinflusst diese Behandlung wenig bis gar nicht." Auch dieses Faktum wird noch kaum verstanden. (red)

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    Von einer Heilung allergischer Erkrankungen - einschließlich Asthma bronchiale - sind wir nach wie vor weit entfernt.

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