Pressekonferenz im Bundeskriminalamt endete mit Eklat

22. September 2008, 14:23
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Weigerung, Daten aus dem Sicherheitsmonitor bekanntzugeben: Medienvertreter stürmten aus dem Zimmer

Wien - Mit einem Eklat ist eine Pressekonferenz Montagmittag im Bundeskriminalamt (BK) zu Ende gegangen, bei der BK-Direktorin Andrea Raninger und Mitarbeiter sowie Experten Kriminalstatistik und Sicherheitsmonitor, ein internes tagesaktuelles Kriminalanalysetool, näher erläutern wollten. Nachdem sich die Referenten trotz wiederholter Nachfragen geweigert hatten, Daten aus dem Sicherheitsmonitor bekanntzugeben, stürmten Medienvertreter aus dem Zimmer. Das Material aus dem Sicherheitsmonitor diene lediglich dem internen Gebrauch, hieß es in der Begründung der Referenten.

Kritik an Kriminalstatistik

Der Hintergrund: In den vergangenen Tagen und Wochen war wiederholt Kritik an der Kriminalstatistik aufgekommen, für die Fälle gezählt werden, wie sie von der Polizei an die Staatsanwaltschaft angezeigt werden. Zusätzlich für Zündstoff sorgen Diskrepanzen zwischen den Daten der Statistik und jenen des Sicherheitsmonitors für das Anzeigen herangezogen werden, wie sie unmittelbar nach den Taten bei der Polizei angezeigt werden. Während die Zahl der Fälle in der Kriminalstatistik heuer kontinuierlich nach unten geht, zeigt sich laut Medienberichten beim Sicherheitsmonitor ein anderes Bild. Dieser weist einen Anstieg der Straftaten aus.

Darauf angesprochen, sagte der Leiter der Abteilung für Kriminalitätsanalyse, Statistik und Prävention im BK, Paul Marouschek, das liege an den angezeigten Taschendiebstählen, die wegen der dabei in der Regel ebenfalls begangenen Urkundenunterdrückung nur im Sicherheitsmonitor doppelt gezählt werden. Auf Nachfrage eines Medienvertreters räumte Marouschek ein, dass selbst bei Herausrechnen dieser Doppelzählung im Monitor noch ein Plus bei der Zahl der Fälle aufscheinen würde. Daraufhin wollten Journalisten einen Vergleich der Daten aus dem Sicherheitsmonitor für August 2007 und 2008 erfragen. Als dies - laut Bundeskriminalamt technisch schnell und unkompliziert möglich - nicht geliefert wurde, kam es zum Eklat.

Berichte über geschönte Statistiken zurückgewiesen

Zuvor hatte Raninger Berichte über geschönte oder manipulierte Statistiken zurückgewiesen. Man habe gesetzliche Verpflichtungen, auch internationale. "Es gibt bei uns auch keine geheimen Statistiken", sagte sie. Man sei um größtmögliche Transparenz bemüht. Auch die interne Kontrolle werde auf mehreren Ebenen durchgeführt. Die Zählweise für die Kriminalstatistik sei an Richtlinien gebunden, die seit der Einführung der Online-Statistik im Jahr 2000 erst zweimal geändert worden seien. Auch sei völlig undenkbar, dass Daten der eingebenden Stellen - rund 25.000 Polizisten in Österreich - zurückgehalten würden, um die Statistik besser zu halten: "Das wäre ein Amtsmissbrauch." (APA)

 

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