Mol fordert OMV auf Heimmarkt heraus

22. September 2008, 21:00
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Der ungarische Mineralölkonzern will in Österreich Tankstellen kaufen und Handelsgeschäft ausbauen

Wien - Ungarns größtes Unternehmen, der Mineralölkonzern Mol, will die OMV stärker als bisher auf deren Heimmarkt angreifen. "Österreich ist ein Kernmarkt für uns" , sagte Mol-Chef Zsolt Hernádi am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Er stellte Aussagen von Wettbewerbern infrage, wonach der Verkauf von Treibstoffen sich kaum rentiere. "Österreich ist ein guter Markt, neben Frankreich einer der besten in Europa."

Der Mol-Chef, der nach der Schubladisierung von Plänen für eine feindliche Übernahme durch die OMV jetzt "ruhiger" lebt, will in Österreich sowohl das Tankstellennetz erweitern wie auch die Stellung im Großhandel ausbauen. Nach der kürzlich erfolgten Übernahme von zwölf Tankstellen der oberösterreichischen Doppler-Gruppe ist Mol mit knapp 50 Zapfstationen vertreten - 34 davon gehören zur steirischen Roth-Gruppe, die mehrheitlich in Mol-Besitz ist. Diese sollen bis auf weiteres ihr Logo behalten.

Hernádi bekräftigte das Ziel, in relativ kurzer Zeit auf rund hundert Tankstellen in Österreich zu kommen. Interesse habe man auch an einigen der rund 100 Tankstellen, die von der OMV vor einiger Zeit zum Kauf angeboten wurden. Bis jetzt habe man noch keine Antwort erhalten. Mittelfristig strebt Mol einen Marktanteil von bis zu zehn Prozent im österreichischen Tankstellengeschäft an. Zum Vergleich: Die OMV hat einen Marktanteil von 21 Prozent. Spezielles Augenmerk will die Mol auf Unternehmen mit eigener Fahrzeugflotte legen, die man mit Mineralölprodukten beliefern will. Hernádi: "Da sehen wir das größte Potenzial."

Zug um Zug soll deshalb die Kapazität der Mol-eigenen Depots in Österreich ausgebaut werden. Neben dem ehemaligen Avanti-Lager in Korneuburg verfügt Mol über ihre Beteiligung an Roth auch noch über Depots in Linz, Graz und Trofaiach (Obersteiermark).

Ein Rätsel bleibt für Hernádi, was die OMV mit ihrem 20-Prozent-Anteil an Mol vorhat. "In den letzten 15 Jahren hat sich das Umfeld in der Mineralölindustrie dramatisch verändert, Asset-Kauf durch Cash ist so gut wie unmöglich", sagte Hernádi. Die Strategie von Mol sei es, durch Partnerschaften zu wachsen.

Nichtsdestotrotz will die Mol mit der OMV auf anderen Gebieten zusammenarbeiten, etwa bei Nabucco. Über diese Pipeline soll ab 2012 Gas aus der kaspischen Region nach Mitteleuropa fließen. Hernádi geht davon aus, dass sowohl Nabucco als auch das von der russischen Gasprom vorangetriebene Projekt South Stream realisiert wird. Der springende Punkt sei, wer das Risiko für die Auslastung der Pipeline übernehme. "Eine leere Pipeline ist ziemlich teuer." Nabucco sei dann Realität, "wenn wir iranisches Gas bekommen können", sagte Hernádi. (stro/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2008)

 

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    MOL-Chef Zsolt Hernadi

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