Den Krebs als Todesursache überholt

22. September 2008, 13:02
posten

World Stroke Conference in Wien: International ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todes- ursache, aber positive Entwicklung in Österreich - Allerdings immer mehr Junge betroffen

Wien - Weltweit steigt die Gefahr einem Schlaganfall zu erleiden, in Österreich ist er zumindest teilweise medizinisch beherrscht. Doch Mediziner lassen mit erhablichen Verbesserungen in der Behandlung aufhorchen. Bei der World Stroke Conference ab 24. September (bis 27. September) in der Neuen Messe Wien werden die Möglichkeiten präsentiert und diskutiert. Rund 3.000 Teilnehmer werden erwartet.

Immer mehr junge Patienten

Laut Tagungspräsident Michael Brainin (LKH Tulln/Niederösterreich) handelt es sich international um die größte Schlaganfallkonferenz. "Diese Erkrankung ist weltweit bereits die zweithäufigste Todesursache. Sie hat den Krebs überholt und epidemische Ausmaße erreicht." Das sei vor allem auf die Entwicklung in den asiatischen Ländern zurückzuführen. Immer häufiger seien auch junge Menschen Opfer dieser Erkrankung.

Jeder vierte Mann, jede fünfte Frau

Ein Gefäßverschluss in Folge eines Thrombus im Gehirn ruft den „Schlag" hervor - zumindest in 85 Prozent der Fälle. In Österreich erleiden pro Jahr rund 20.000 Menschen einen Schlaganfall. Jeder vierte Mann und jede fünfte Frau im Alter bis 85 Jahren erleidet einen Schlaganfall. 31 Prozent der Schlaganfallpatienten benötigen danach allgemeine Hilfe, 20 Prozent Hilfe beim Gehen, 16 Prozent müssen wegen schwerer Langzeit-Invalidität in Pflegeeinrichtungen aufgenommen werden.

Risiken

Die größten Risikofaktoren sind nicht oder nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck sowie die klassischen Herz-Gefahren durch Rauchen und hohe Cholesterinwerte im Blut. Wichtig wären eine optimale Vorsorge mit Vermeidung der Risikofaktoren, aber auch die sofortige Aufnahme in eine spezialisierte Krankenhausabteilung im Akutfall, wo man mit Thrombolytika den Gefäßverschluss wieder auflösen kann. Am besten funktioniert dies innerhalb von 90 Minuten ab dem Auftauchen von Symptomen.

Wichtiger Zeitfaktor

"Time is brain. (...) Unbehandelt bleiben nur 26 Prozent der Patienten ohne Langzeitschäden, mit Behandlung hingegen 39 Prozent", sagt dazu der Wiener Neurologe Wilfried Lang (Krankenhaus Barmherzige Brüder) vor einiger Zeit. In Österreich ist aber eine positive Entwicklung zu verzeichnen: die Sterblichkeit nach einem Schlaganfall hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. 1970 wurden noch 14.737 Todesfälle wegen "Hirngefäßerkrankungen" registriert, im Jahr 2006 waren es 5.611. Die Sterblichkeit sank somit von 129,5 pro 100.000 Einwohner und Jahr auf 27,8 pro 100.000 Menschen und Jahr.

Keine Symptome als ungelöstes Problem

Immer öfter zeigen Schlaganfälle allerdings keine Symptome, das ist bei mehr als zwei Dritteln der Schlaganfälle der Fall. Das Gehirn wird aber dennoch geschädigt. Die schlechte Nachricht: Für das Problem gibt es noch kaum Lösungsansätze.

Stroke Units helfen


Daran maßgeblich beteiligt war die flächendeckende Einrichtung von sogenannten Stroke Units in Österreich, von denen derzeit 32 bestehen. Dort gibt es auch die Möglichkeit zur Thrombolyse-Behandlung. Mehr als zehn Prozent der Schlaganfallpatienten bekommen diese Behandlung laut Brainin in Österreich, weltweit hingegen nur zwei bis drei Prozent. Lasse man jene Patienten unberücksichtigt, welche für diese Therapie nicht in Frage kommen, liegt die Anwendung sogar bei mehr als 50 Prozent. Österreich gehört damit zur Weltspitze. (red/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    So kommt es zum Schlaganfall: Ursachen, Symptome und Folgen

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei Schlaganfällen verlieren die Menschen mitunter die Fähigkeit zum Schreiben und müssen vieles wieder neu lernen.

Share if you care.