Wie sich aufgelöste Beute im Inneren fleischfressender Pflanzen verteilt

22. September 2008, 13:16
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Wiener Forscher nahmen mit Radioisotopen Einblick ins Innere der floralen Beutefänger - mit tierischer Nahrungsergänzung können die Pflanzen auch karge Böden besiedeln

Wien - Fleischfressende Pflanzen betreiben einen hohen Energieaufwand, um Tieren - zumeist Insekten - raffinierte Fallen fallen zu stellen. Der Sonnentau etwa, der auch in österreichischen Mooren vorkommt, hat an seinen Blättern Tentakel, die ein klebriges Sekret absondern, welches die Beute nicht mehr entkommen lässt. Außerdem werden aus den Tentakeln Enzyme freigesetzt, die die Beute langsam zersetzen. Nachdem die Pflanzen aber weder über Äquivalente von Magen noch Darm verfügen, in denen man den Verdauungsweg mitverfolgen könnte, mussten Wissenschafter der Technischen Universität (TU) und der Universität Wien zu einem High Tech-Trick greifen, um herauszufinden, wie genau die Pflanze vom Beutefang profitiert.

Georg Steinhauser vom Atominstitut der Österreichischen Universitäten und Wolfram Adlassnig von der Uni Wien fütterten die Pflanzen mit im Forschungsreaktor hergestellten Radioisotopen und konnten dann über empfindliche Messgeräte die Aufnahme der strahlenden Spurenelemente ins Pflanzengewebe verfolgen. Die meisten untersuchten Pflanzen zeigten großen Appetit auf Kalium, Eisen und Mangan. "Die Aufnahme der angebotenen Elemente erfolgt erstaunlich rasch, innerhalb weniger Stunden oder Tage und zu einem hohen Prozentsatz", so Steinhauser.

Nahrungsergänzung

Insgesamt zeigen die Experimente und Berechnungen, dass die Fähigkeit zum Beutefang aus den fleischfressenden Pflanzen keine Selbstversorger machen. Das heißt, sie werden nicht von der Nährstoffaufnahme über den Boden völlig unabhängig. Dafür bringt die zusätzliche Versorgung aber doch jenen Vorteil, der die energetischen Kosten für die Entwicklung von Fallen aufwiegt. So können die Pflanzen auch Böden besiedeln, welche sonst für sie zu karg wären.

Steinhauser und Adlassnig erreichten bei dem vom Verein "dialog-gentechnik" in Kooperation mit APA-OTS organisierten Wettbewerb "WissenschafterInnen schreiben Presseaussendungen" mit ihrem über ihr Projekt verfassten Pressetext den dritten Platz. Mit dem Wettbewerb sollen junge Biowissenschafter motiviert werden, ihre Forschungsarbeiten vorzustellen. (APA/red)

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    Mittlerer Sonnentau - nur eine von insgesamt etwa 150 Arten aus seiner Gattung

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