In Deutschland ernährt der Mann

22. September 2008, 11:24
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Vergleichende Studie sieht BRD als Schlusslicht bei Gleichstellung am Arbeitsmarkt - "Verschiedene Systeme" begünstigen Entwicklung

Frankfurt - Die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsplatz geht europaweit nur schleppend voran. Im Europa-Durchschnitt schneidet Deutschland besonders schlecht ab. Unter den sieben wichtigsten Wirtschaftsmächten in Europa sowie den USA leiden weibliche Angestellte in Deutschland am stärksten unter diskriminierenden Arbeitsbedingungen, wie das Jobportal "CareerBuilder.de" aufzeigt. Mit 45 Prozent der Arbeitnehmerinnen sei in Deutschland beinahe jede zweite Mitarbeiterin gegenüber ihren männlichen Kollegen mit niedrigeren Gehältern trotz gleicher Qualifikationen und Fähigkeiten konfrontiert. Europaweit treffe dies hingegen im Vergleich auf "nur" 38 Prozent der Frauen zu.

An mehreren Punkten ansetzen

"Die Problematik der Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz ist nicht monokausal zu sehen. Es sind verschiedene Systeme, die an der Entwicklung beteiligt sind, sei es das Bildungssystem, die Betriebs- oder die Medienkultur", erklärt Matthias Lindner, Bereichsleiter Genderpolitik bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Diese würden schon bei Jugendlichen dazu führen, dass die Berufsvorstellungen von Männern und Frauen voneinander abweichen. Letzten Endes seien Frauenberufe quantitativ schlechter honoriert.

Familienernährer

Das im Europavergleich schlechte Abschneiden des deutschen Arbeitsmarktes habe ebenso verschiedene Ursachen: Zum einen sei etwa das gesamte System der Kinderbetreuung in Deutschland weniger gut ausgebaut als beispielsweise in Skandinavien. "Zudem ist das traditionelle Bild des Mannes als Familienernährer in anderen Ländern nicht mehr so stark erwünscht als es hierzulande der Fall ist", meint der Experte. Mitunter politisch angestrengte Gleichstellungsprogramme würden zwar greifen, jedoch nur langsam Fortschritte und Wirkung zeigen. "Die Betriebskultur ist in Deutschland nach wie vor stark von Männern geprägt, die Frauen in Führungspositionen verhindern", so Lindner gegenüber pressetext.

Abseits von Gehaltsnachteilen sehen sich Frauen in der Arbeitswelt weiteren Formen der Diskriminierung gegenüber. So hätten rund 40 Prozent der weiblichen Angestellten in Deutschland schlechtere berufliche Aufstiegschancen als Männer. Zwar würden viele Unternehmen versuchen, am Arbeitsplatz Chancengleichheit herzustellen, es gebe jedoch noch viel zu tun. (pte)

 

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    Mulitkausal sind die Gründe für die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt.

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