Rund 2.600 Kinder und Jugendliche wurden 2007 Gewaltopfer

22. September 2008, 10:35
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Pilotprojekt zur Prävention im Kindergarten: Drei- bis Sechsjährige lernen Bedürfnisse anderer wahrzunehmen

Wien - Rund 2.600 Zehn- bis 17-Jährige wurden 2007 als Opfer von Gewalt so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Diese Zahl registrierte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in der aktuellen Freizeitunfallstatistik. Laut Kriminalitätsstatistik des Innenministeriums werden jährlich etwa 6.000 Fälle von Körperverletzung und Raufhandel angezeigt, an denen Kinder und Jugendliche aktiv beteiligt sind. Gewaltprävention muss schon in frühen Lebensjahren beginnen, fordert das KfV, das gemeinsam mit dem Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) ein Pilotprojekt initiierte.

Mangel an sozialer Kompetenz

Raufereien unter Kindern sind - soweit es um sportliche Messen der Kräfte geht - bis zu einem gewissen Maß Teil der kindlichen Entwicklung, so das Kuratorium am Montag in einer Aussendung. Die Grenze zur Gewalttätigkeit wird überschritten, wenn die Absicht in den Vordergrund tritt, den anderen zu schädigen. Die Ursachen seien vor allem auf Mangel an sozialer Kompetenz zurückzuführen.

Das Kuratorium und der Fonds Gesundes Österreich setzen mit ihrem Pilotprojekt im Kleinkindalter an. In Zusammenarbeit mit dem KfV erstellten Expertinnen der Kindergartenpädagogik ein Programm zur Früherziehung für gewaltfreie Konfliktlösung, das seit November 2007 in 40 Kindergärten in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland getestet wird.

Ursachen der Aggression

Drei- bis Sechsjährige lernen in Übungen die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, Rücksicht zu nehmen, Vertrauen aufzubauen. So werden spielerisch Kompetenzen wie Selbstsicherheit, positives Sozialverhalten und Empathiefähigkeit gefördert. Neuartig an dem Konzept sei, dass an den Ursachen der Aggression angesetzt wird. In die Auseinandersetzung mit Emotionen wie Ängstlichkeit und der Unfähigkeit, sich gewaltfrei auszudrücken, werden neben den Kindern auch die Eltern und Pädagogen einbezogen.

Eine erste Evaluation des Projekts zeige: Kindergartenpädagogen fühlen sich durch das Programm im Umgang mit Konflikten gestärkt. Sie treten Auseinandersetzungen bewusster entgegen als bisher, können die Ursachen besser unterscheiden. Das KfV fordert den Einsatz des Projekts in Kindergärten in ganz Österreich. (APA)

 

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