Uni Wien will mit zusätzlichem Geld das Engagement in der Forschungsarbeit belohnen - Drei Prozent von eingeworbenen Drittmitteln werden ausbezahlt
Wien - Die Universität Wien führt ein persönliches Anreizmodell für die Einwerbung von
Drittmittel ein. Jene Professoren, die Geld für ein Forschungsprojekt lukrieren, das nicht vom zuständigen Ministerium kommt, sollen dafür nun belohnt werden. Mit Beginn des neuen Studienjahres erhält jeder
Wissenschafter der Uni Wien, rückwirkend ab Jahresbeginn, drei Prozent
der Projektsumme als Gehaltsbestandteil, erklärte der Vizerektor für
Forschung, Heinz Engl, im Gespräch mit der APA.
MedUni Graz zahlt bereits Prämie
"Das ist zwar nicht viel, soll aber als Anreiz psychologisch wirksam
sein und die Wichtigkeit und Wertschätzung für das Engagement der
Forscher zeigen", sagte Engl. So erhält etwa ein Forscher der Uni Wien,
der beim Wissenschaftsfonds FWF ein Projekt mit einer Fördersumme von
100.000 Euro über drei Jahre einwirbt, 3.000 Euro über diesen Zeitraum
mit dem Gehalt ausbezahlt.
An der Medizinischen Universität Graz werden bereits seit 2004 Forscher
für ihr Engagement bei der Einwerbung von Drittmittel belohnt. Für alle
evaluierten eingeworbenen Projekte, also etwa vom Wissenschaftsfonds
FWF oder aus EU-Rahmenprogrammen, werden zwischen fünf und zehn Prozent
der Projektsumme als Prämie an die erfolgreichen Wissenschafter
bezahlt, erklärte eine Sprecherin der Med-Uni Graz
der APA.
Forschung ist "finanziell ein Privatvergnügen"
Uni-Angehörige, insbesondere der Mittelbau, könnten derzeit innerhalb
der Universität nur mehr verdienen, indem sie mehr Lehre machen.
Zusätzliche Forschung sei "finanziell ein Privatvergnügen", so Engl,
der mit der neuen Regelung nun "ein wenig die Chancengleichheit
zwischen Lehre und Forschung" hergestellt sieht. Natürlich soll damit
auch der Anreiz verstärkt werden, sich um Forschungsprojekte und damit
um Projektmittel zu bemühen. So stellen österreichweit etwa nur 20
Prozent der antragsberechtigten Forscher Anträge für Forschungsvorhaben
beim FWF. An der Uni Wien werden derzeit pro Jahr rund 46 Mio. Euro an
Drittmittel eingeworben.
EU-Programme auch miteinbeziehen
Die neue Regelung gilt für alle Drittmittel, gleich ob sie vom FWF oder
einem Industrie-Auftrag kommen. In einem zweiten Schritt sollen auch
Mittel aus EU-Programmen dazu kommen. Voraussetzung sei nur, dass für
das Projekt von der geldgebenden Stelle sogenannte Overhead-Kosten (indirekte Kosten)
bezahlt werden. Das war bei EU-Programmen schon immer der Fall und beim
FWF seit Dezember 2007. Bei Industrie-Kooperationen schlägt die Uni
Wien seit kurzem selbst 20 Prozent Overhead-Kosten auf.
Wenig Anreize bei allen anderen Unis
An anderen Universitäten gibt es derartige Regelungen nach Wissen Engls
bisher nicht, was auch eine Stichprobe der APA bestätigte: An der
Universität Graz fließt zwar ein bestimmter Prozentsatz von
eingeworbenen Drittmittel an den Projektleiter und dessen Institut
zurück, wenn Overhead-Kosten bezahlt werden. Diese Mittel müssen aber
für Forschungszwecke verwendet werden, zum Beispiel zur Deckung der
Kosten für Kongressreisen oder die Organisation von Tagungen. An der Technischen Universität (TU) Wien wurde
eine derartige "Belohnung" von Wissenschaftern im Entwicklungsplan
angedacht, aber nicht umgesetzt. Indirekt würden Institute nach der
Forschungsevaluierung mehr Geld bekommen, wenn sie mehr Projekte
durchführen und Förderungen bekommen.
Auch die TU Graz, bei Drittmittel-Erlösen nach eigenen Angaben
Spitzenreiter unter den österreichischen Unis, hat kein derartiges
Bonus-System. An den Austrian Research Centers (ARC) gibt es dagegen
für die Forscher eine Patent-Prämie: Für eine Patentanmeldung in
Österreich gibt es 300 Euro, erfolgt eine Patenterteilung weitere 750
Euro. 1.500 Euro "Belohnung" winken schließlich für die erstmalige
Patenterteilung im Ausland. (APA)
Info
Drittmittel sind im wissenschaftlichen Betrieb Gelder, die nicht aus dem Budget des zuständigen Ministeriums kommen. Sie werden für konkrete Forschungszwecke verwendet und meist von der Privatwirtschaft zur Verfügung gestellt. Problematisch in diesem Zusammenhang sind mögliche Einflussnahmen der Geldgeber auf die Forschungsfreiheit.