Ein Bub träumt vom eigenen Tiergarten

22. September 2008, 09:21
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Was unspektakulär gestaltet ist, muss ja nicht gleich langweilig sein, was alt wirkt, auch nicht abgenützt, sozusagen gestrig erscheinen

Die Zeit ist genau messbar. Laut Wiener Linien dauert der Weg von zu Hause bis zur "Büro-Haltestelle" 20 Minuten. Das entspricht in Kann-noch-nicht-die-Uhr-lesen-Zeit exakt viermal Buchvorlesen (wenn man sich Zeit lässt). Nicht irgendeines, sondern: Ich wär' so gerne Zoodirektor von James Krüss und Lisl Stich. Die Erstausgabe erschien 1969. Nun wurde das Buch "wiederentdeckt". 28 Seiten, in Reimform erzählt. Ein anonym bleibender Junge beschreibt, was er als Direktor eines Tiergartens machen würde.

"Das Affenhaus kriegt Kletterstangen. / Das Krokodil hat's feucht und heiß. / Und Tiere, die nach Eis verlangen / (wie Pinguine), kriegen Eis.", schwärmt der Bub dahin. Dieser Zoo ist absolut tierlieb und friedlich, nichts stört die heile Welt. Die Buchstruktur ist einfach gehalten wie auch die Texte. Links der Reim, rechts das dazupassende Bild - heißt so viel wie: Vater schaut links, Kind rechts. Empfohlen wird das Buch ab dem vierten Lebensjahr, wobei man sich daran natürlich nicht halten muss. Harmloser kann eine Geschichte nicht sein. Was unspektakulär gestaltet ist, muss ja nicht gleich langweilig sein, was alt wirkt, auch nicht abgenützt, sozusagen gestrig erscheinen. Krüss hat zig Kinderbücher geschrieben. Sehr nett übrigens seine Henriette Bimmelbahn. "Haltet die Uhren an. Vergesst die Zeit. Ich will euch eine Geschichte erzählen", heißt es auf der Homepage des 1997 verstorbenen Erzählers. Es funktioniert.  (Peter Mayrm, DER STANDARD Printausgabe, 20./21.09.2008)

James Krüss und Lisl Stich, "Ich wär' so gerne Zoodirektor". € 10,20 / 28 Seiten. Boje Verlag, Köln 2008

 

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