China: 53.000 Kleinkinder durch verseuchte Milch erkrankt

22. September 2008, 06:23
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13.000 in Krankenhäusern - 104 zeigten schwere Krankheitssymptome - Melamin-Skandal war seit zweiten August bekannt - Leiter der Behörde für Qualitätssicherung zurück getreten

Peking - In China sind nach offiziellen Angaben fast 53.000 Kinder an verseuchten Milchprodukten erkrankt. Der Skandal um giftiges Melamin in Baby-Milchpulver ist schon Anfang August einer Behörde in China gemeldet worden. Wie das staatliche chinesische Fernsehen am Montag berichtete, soll der hauptbetroffene Betrieb Sanlu in der Provinz Hebei die intern seit Monaten bekannten Probleme am zweiten August den lokalen Behörden gemeldet haben. Diese hätten die Informationen jedoch nicht weitergegeben und auch keine Maßnahmen ergriffen. Der verantwortliche Bürgermeister wurde am Montag entlassen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

Der Leiter der Behörde für Qualitätssicherung trat am Montag wegen der massenhaften Kontamination mit der Chemikalie Melamin zurück, die vier Kinder das Leben kostete. Zahlreiche besorgte Eltern in Hongkong ließen ihre Kinder vorsorglich untersuchen. Knapp 13.000 Säuglinge und Kleinkinder in China mussten stationär behandelt werden, rund 40.000 weitere wurden ambulant versorgt, wie das Gesundheitsministerium in Peking am Montag mitteilte. 80 Prozent waren demnach maximal zwei Jahre alt. 104 Kleinkinder sind schwer erkrankt. Vier Kinder starben nach einer Vergiftung mit Melamin an Nierensteinen.

Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Ministerpräsident Wen Jiabao erklärte, alle Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden, um zu verhindern, dass sich ein solcher Skandal wiederhole. "Die Regierung begreift den Zwischenfall als Warnung und wird die Bemühungen um die Lebensmittelsicherheit verstärken", sagte Wen der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge während eines Krankenhausbesuchs in Peking.

Die erkrankten Kleinkinder tranken nach Angaben des Gesundheitsministeriums Milch aus kontaminiertem Milchpulver, das hauptsächlich vom Hersteller Sanlu stammte. In Milchprodukten der Sanlu-Gruppe sowie von 21 weiteren chinesischen Herstellern wurde Melamin festgestellt. Der Stoff ist hoch nitrogenhaltig und kann bei Milchtests daher ein höheres Proteinniveau vortäuschen. Bauern könnten mit Wasser gestreckte Milch mit Melamin angereichert haben, um ihre Profitmarge zu erhöhen.

Taiwan stoppt Importe

In Hongkong ließen am Montag rund 20 Eltern ihre Kinder vorsorglich untersuchen, nachdem die Regierung am Wochenende die Erkrankung eines dreijährigen Mädchens an Nierensteinen bekanntgegeben hatte. Auch ein weiterer Patient leide nach dem Genuss von Milchprodukten vermutlich an Nierensteinen, erklärte ein Krankenhaus am Montag. Sein Alter wurde nicht bekanntgegeben. Taiwan stoppte sämtliche Importe chinesischer Milchprodukte und Proteine aus Angst vor Verunreinigungen. (APA/dpa)

 

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