"So viele Tote wie möglich"

22. September 2008, 16:48
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Die baskische Terrororganisation Eta bombt weiter - Die Anschlagsserie könnte ein Racheakt der Separatisten für das jüngste Vorgehen der Justiz sein

Zwei Parteien waren verboten worden.

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Die baskische Separatistenorganisation Eta bescherte Spanien ein blutiges Wochenende. In nur 24Stunden explodierten drei Autobomben. Die ersten beiden Sprengsätze hatten in der Nacht auf Sonntag eine Kaserne der baskischen Autonomiepolizei Ertzaintza im Küstenort Ondarroa und eine der drei großen baskischen Sparkassen, die Caja Vital in der baskischen Hauptstadt Vitoria, zum Ziel. Beide Gebäude wurden stark beschädigt. Zehn Menschen wurden bei den Attentaten verletzt.

In der Nacht vom Sonntag zum Montag traf es dann die Militärakademie in Santoña in Kantabrien, einer Nachbarregion des Baskenlandes. Dabei kam ein Offizier ums Leben. Acht weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Trotz Warnanrufs hatte die Polizei keine Zeit, das Gebäude vollständig zu räumen. Alle drei Autobomben waren mit 80 bis 100 Kilogramm Sprengstoff beladen.

"Die Eta wollte so viele Tote wie möglich" , erklärte der baskische Innenminister Javier Balza entsetzt. Denn anders als beim Anschlag in Kantabrien und in Vitoria gab es vor der Autobombe auf das Polizeirevier in Ondarroa keinen Warnanruf. Zwei Etarras hatten das Fahrzeug direkt neben dem Gebäude abgestellt. Sie entfernten sich zu Fuß und zündeten dabei zwei Molotow-Cocktails, um die Polizisten auf die Straße zu locken. Der Plan ging zum Glück nicht auf.

Strukturen zerschlagen

Erst im Juli hatte das spanische Innenministerium die Eta-Strukturen im Baskenland für zerschlagen erklärt. Damals waren neun mutmaßliche Etarras verhaftet worden. Es war nach Angaben der spanischen Regierung die einzig aktive Zelle, über die die bewaffneten Separatisten verfügten. Dies erwies sich mit den tragischen Anschlägen vom Wochenende als falsch.

Die Eta versucht mit der Bombenserie Stärke zu beweisen. In der vergangenen Woche mussten die Radikalen mehrere harte Schläge einstecken. Die spanische Justiz verbot die PCTV und die ANV, die beiden Parteien, mit denen das Eta-Umfeld bei den vergangenen baskischen Autonomiewahlen und den Gemeinderatswahlen angetreten war. Außerdem wurden 21 Mitglieder der Führung der Gestoras pro Amnistía zu Haftstrafen zwischen acht und zehn Jahren verurteilt. Die Organisation, die sich um die inhaftierten Etarras kümmert, sei integraler Bestandteil der bewaffneten Separatistenorganisation, heißt es im Urteil. Am 21. Mai wurde zudem Francisco Javier López Peña alias "Thierry" , der Leiter des militärischen und politischen Arms der Eta, mit weiteren Führungspersönlichkeiten in Bordeaux verhaftet. Arnaldo Otegi, ehemals Sprecher der Eta-nahen, mittlerweile verbotenen Partei Batasuna, wurde hingegen im August aus der Haft entlassen.

Insgesamt wurden bei Eta-Anschlägen zwischen 1960 und 2003 817 Menschen getötet, darunter 339 Zivilisten und 478 Polizisten. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2008)

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    Zerfetztes Auto in Santona.

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