Suche nach Milch in der Chinasauce

21. September 2008, 19:57
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Chinas Milchskandal ist in Österreich angekommen, wo man jetzt - wie überall in der EU - nach Fitness-drinks, Importsaucen und -suppen mit Milchbeigabe sucht

Präventiv, denn laut Ministerium ist die Gefahr rein "theoretisch".

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Wien/Peking - Chinesische Milchprodukte, so erläutert Ulrich Herzog aus dem Gesundheitsministerium, dürfe es in Österreich legal gar nicht geben. So wie überall in der EU: "Seit 2002 ist der Markt EU-weit für sie gesperrt, weil die chinesische Milchproduktion nicht den hygienischen Standards in Europa entspricht", sagt der Experte zum Standard.

Doch Milch werde in verschiedenen Formen verwendet, etwa auch als Pulver, und einer breiten Palette von Produkten beigesetzt, die auf den verschiedenen "illegalen bis paralegalen Wegen" nach Europa gelangen könnten. Genau an diesem Punkt setze auch "die Aufforderung der EU-Kommission an alle Mitgliedsstaaten an, chinesische Importwaren künftig nicht mehr bloß stichprobenartig, sondern gründlicher zu überprüfen".

Denn Milchpulver könne "theoretisch etwa auch Saucen oder Fertigsuppen beigemengt sein". Wobei Herzog Wert auf das Wort "theoretisch" legt: "Bisher gibt es keinerlei Hinweise, dass Waren mit solchen Inhaltsstoffen in Österreich überhaupt zu finden sind".

Ab Montag werden daher, auf eine Verordnung des Gesundheitsministeriums hin, die Lebensmittelprüfer der Bundesländer ausschwärmen. In Asia-Geschäfte und -lokale, aber auch in Fitnessstudios, wo Fitnessdrinks mit hohem Proteinanteil angeboten werden: Mit dem Ziel, einen höheren Proteingehalt zu simulieren, war in China mit Wasser gepantschter Milch die Industriechemikalie Melamin beigemengt worden. Melanin schädigt vor allem die Nieren.

Auch das Internet werde man in den kommenden Wochen verstärkt auf "fragwürdige Fitnessdrink-Angebote hin" durchforsten, kündigt Herzog an. Die Konsumenten seien aufgefordert, auch hier Vorsicht walten zu lassen.

"Drastische Strafen"

In China, wo die vergiftete Milch seit mehreren Jahren verkauft und konsumiert wurde, kündigte der Staatsrat am Wochenende "drastische Strafen" und "schärfere Kontrollen" in der Milchindustrie an. Melamin-Betrügereien sind in China nichts Unbekanntes. Schon vor einem Jahr wurde die Chemikalie in zum Teil tödlicher Dosis in Export-Tierfutter gefunden. "Der Bedarf an Lebensmitteln ist in China tendenziell höher als die zur Verfügung stehende Menge. Und die Nachfrage steigt aufgrund des zunehmenden Wohlstands weiter", schildert Herzog die Ausgangssituation für derlei Beimengungen.

In China sind bisher vier Babys an vergifteter Säuglingsnahrung gestorben, 6200 Kinder sind erkrankt. Am Wochenende wurde auch in Hongkong bei einer Dreijährigen, die 15 Monate lang mit chinesischer Kindermilchnahrung gefüttert worden war, Nierensteine entdeckt.

Immer mehr Länder, die bisher chinesische Milchprodukte bezogen haben, stoppen indes die Importe: Nach den Behörden Singapurs und Malaysias entschlossen sich am Sonntag auch die Zuständigen im Sultanat Brunei zu diesem Schritt. (bri/DER STANDARD-Printausgabe, 21.9.2008)

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