Sozialforum ruft in Malmö zum „Krieg gegen die Habgier" auf

21. September 2008, 17:53
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Globalisierungskritiker erhalten Verstärkung aus dem Osten

Malmö/Wien - Das Europäische Sozialforum ESF will angesichts der Finanzkrise für einen „Krieg gegen die Habgier" mobilisieren. „Was da total unkontrolliert an Krediten hin- und hergeschoben wird, können wir nicht mehr einer kaum durchschaubaren Schattenwirtschaft überlassen", meinte der britische Ökonom John Christensen vom Netzwerk für Steuergerechtigkeit auf dem 5. Sozialforum im schwedischen Malmö. „Allein mit 30 Prozent Steuern auf das, was Banken derzeit schwarz und unkontrolliert in Steuerparadiese verschieben, wäre der Armut auf der Welt sehr effektiv beizukommen."

Christensen sprach auf einem von 250 Workshops mit insgesamt 10.000 Teilnehmern aus der Alternativbewegung, Gewerkschaften, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen sowie christlichen Organisationen. Heuer wurde danach gefragt, „wie ein soziales, nichtmilitarisiertes Europa" aussehen könnte. Dabei sei es zunächst um die „neoliberalen Angriffe auf die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmern gegangen", wie es der österreichische Forumsteilnehmer Hermann Dworczak formuliert. Danach wurden Alternativen zum „Europa der Banken, Konzerne und Generäle" überlegt.

Verteidigung der öffentlichen Dienste

Wie Dworczak berichtet, waren das Punkte wie „die Verteidigung der öffentlichen Dienste als Kernstück des anderen Europa" und die Kritik an „der Kommerzialisierung des Wissens, der Bildung und der Forschung". Zum Thema Ausländerrechte wird gefordert: „Jeder Mensch, der sich dauerhaft auf dem Gebiet Europas niederlässt, erhält seine Staatsbürgerschaft mit allen entsprechenden Rechten."

Auffallend war, dass neben schwedischen und weiteren westeuropäischen Gewerkschaftern auch solche aus Polen und Russland teilnahmen. Sie verlangten, den Konzernen länderübergreifend entgegenzutreten. (dpa, est/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2008)

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