Waghalsiger Handel mit Folgen

21. September 2008, 17:23
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Fast ein Jahrzehnt lang haben US-Banken Konsumenten Kredite aufgedrängt - ohne Rücksicht auf deren Zahlungsfähigkeit und teilweise mit dubiosen Methoden

Finanzinstitute - und zwar besonders die in den USA ansässigen, aber auch europäische - unterliegen wenigen bis gar keinen Regulierungen, weist Wolfgang Köhler in seinem Buch nach. Mit zunehmender Größe kommt dann auch noch der alte "Too big to fail" - Grundsatz dazu. Heute gilt außerdem noch der Grundsatz: "Too connected to fail" - zu stark vernetzt, als dass man ein Institut untergehen lassen könnte.

Köhlers exzellentes, äußerst lesbares Buch schildert, wie die US-Banken fast ein Jahrzehnt lang amerikanischen Konsumenten und Immobilienkäufern Kredite aufdrängten - ohne Rücksicht auf deren Zahlungsfähigkeit und teilweise mit dubiosen Methoden. Nun ist die Spekulationsblase am Immobilienmarkt in den USA geplatzt und hat die US-Banken und Versicherungen und mit ihnen die Weltwirtschaft in eine bedrohliche Krise gestürzt.

In dem Buch endet die Analyse im Frühjahr dieses Jahres. Trotzdem ist das Buch erhellend, hat sich doch wenig an den Rettungsankern geändert, die die Staaten seither auswerfen - und die im Wesentlichen in einem Geradestehen der Steuerzahler für die Spekulationen der Bankmanager bestehen. Mehr Macht den staatlichen Aufsichtsbehörden und schärfere Regeln für die Finanzmärkte dürften am Ende des Diskussionsprozesses stehen, an dessen Anfang wir uns jetzt erst befinden. Leider entwirft Köhler nur wenige Szenarien für die Zukunft. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2008)

  • Wolfgang Köhler: Wall Street Panik. Banken außer Kontrolle. Wie
Kredithaie die Weltkonjunktur ins Wanken bringen. Mankau Verlag, Euro
18,95
 
    foto: mankau verlag

    Wolfgang Köhler: Wall Street Panik. Banken außer Kontrolle. Wie Kredithaie die Weltkonjunktur ins Wanken bringen. Mankau Verlag, Euro 18,95

     

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