Auf der Suche nach "Wahlberechtigten" am Naschmarkt

25. September 2008, 07:53
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Viele Touristen, viel Regen und wenige Fragen über die EADS-Affäre bei Schmidts Stimmenfang in Wien - derStandard.at-Reportage

"Sind Sie schon wahlberechtigt?" Die zwei Tiroler können lachen über Heide Schmidts Ausrutscher. Denn nachdem sie beim Stimmenfang am Naschmarkt vorwiegend auf Touristen trifft, ist sie vorsichtig geworden. "Ich habe gerade mit zwei Schweizern gesprochen und habe an ihrem Akzent gehört, dass Sie auch nicht von hier sind", versucht sich die LIF-Spitzenkandidatin aus der Misere zu reden. Die beiden Männer lassen sich trotzdem eine Sonnenblume und einen Flyer in die Hand drücken, Schmidt verabschiedet sich freundlich und weiter geht's auf der Suche nach potenziellen Wahlberechtigten zwischen den Ständen des Naschmarkts.

Sonnenblumen im Regen

Es regnet und es ist viel zu kalt für die Jahreszeit. Das merkt man auch an den Gesichtern der Menschen, die sich an Heide Schmidt vorbeidrängen zu versuchen. "Darf ich Ihnen eine Information mitgeben", fragt sie immer wieder mit permanentem Lächeln. Ihre KollegInnen drücken den Passanten Sonnenblumen in die Hand.

Das Kamerateam und der Wahlkampftrupp sorgt für Aufmerksamkeit, ein spanisches Paar merkt wohl, dass es hier um jemand Prominenten geht. Sie schütteln Schmidt freundlich die Hand. Andere reagieren weniger einladend: „Das brauch ich net", sagt eine ältere Frau und nimmt den LIF-Flyer nicht an.

Die Standler können über den Besuch lachen: „Und wir kriegen keine Blumen?", fragt ein Verkäufer. Warum sie den Naschmarkt als Wahlkampfort gewählt habe, fragt ein Journalist. Weil er in der Nähe ihres Büro liege, antwortet sie, und außerdem: „Der Naschmarkt steht für sich." Bisher war die Spitzenkandidatin nur in den Bundesländern auf Stimmenfang.

"Das bin ich"

Nach einer Weile findet Schmidt doch noch „Wahlberechtigte" unter der Menge: „Ich gratuliere Ihnen! Super, dass Sie kandidieren", lobt sie eine Frau.

Eine deutsche Touristin muss die Politikerin erst aufklären: "Das bin ich", sagt sie und deutet auf den Flyer. Zeit für lange Gespräche mit den potenziellen WählerInnen hat sie nicht, der nächste Termin ruft schon. Für die JournalistInnen macht sie einen kurzen Stopp auf der Naschmarktrunde.

Die sprechen sie auf ein Thema an, dass den Liberalen momentan nicht sehr angenehm ist: Die Eurofighter-Lobbying-Vorwürfe gegen Bundessprecher Alexander Zach. Doch Schmidt verliert auch bei kritischen Gesprächen nicht ihr Lächeln: „Ich verstehe die Aufregung nicht", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at. Ihr Parteikollege sei ja nur indirekt für EADS tätig gewesen, und das zu einer Zeit, in der das LIF nicht einmal im Parlament vertreten war.

Konstruierte Eurofighter-Geschichte

"Sicher hätte ich mir gewünscht, er hätte das anders ausgedrückt", gesteht sie. Denn wenige Tage bevor sie dem Standard bestätigte, dass Zach doch indirekt Lobbying betrieben hat, meinte der gegenüber dem ORF, nicht für EADS tätig gewesen zu sein. "Das war keine Lüge. Er meinte damit nur, dass er nicht direkt für EADS tätig war."

Am Naschmarkt sind die Eurofighter-Geschäfte jedenfalls kein Thema. Außer den Journalisten spricht sie niemand darauf an. Und auch sonst ist Schmidt überzeugt, keine Stimmen zu verlieren: „Wer sich damit auseinandersetzt, wird sehen, dass die Geschichte schon sehr konstruiert worden ist. Wer die Konstrukteure dieser "Geschichte" waren, will sie gegenüber derStandard.at nicht sagen: „Aber man weiß schon, wessen Interessen im Parlament durch den Antritt der Liberalen gefährdet sind."

Ein indisches Restaurant ist Schmidts letzte Station beim regnerischen Stimmenfang. Der Besitzer nimmt den Flyer und die Sonnenblume mit einem verschmitzten Lächeln entgegen. Ob er wählen geht? „Sicher! Ich habe seit zwei Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft." Ob er seine Stimme dem LIF gibt, weiß er noch nicht. Dafür, wer sie nicht bekommt: „Wenn man sich anschaut, was Gusenbauer in den letzten zwei Jahren gemacht hat, oder Strache. Das muss man sich schon gut überlegen." (Elisabeth Oberndorfer, derStandard.at, 25. September 2008)

  • Den Naschmarkt hat sich Schmidt als Wahlkampfort ausgesucht, weil der "in der Nähe meines Büros" liegt.
    foto: derstandard.at/oberndorfer

    Den Naschmarkt hat sich Schmidt als Wahlkampfort ausgesucht, weil der "in der Nähe meines Büros" liegt.

  • Zu Beginn ihrer Naschmarktrunde hat sie wenig Glück: Bei diesem Wetter sind nur Touristen unterwegs.
    foto: derstandard.at/oberndorfer

    Zu Beginn ihrer Naschmarktrunde hat sie wenig Glück: Bei diesem Wetter sind nur Touristen unterwegs.

  • Diese alte Frau wird per Wahlkarte wählen. Wem sie ihre Stimme gibt, wollte sie Schmidt nicht verraten.
    foto: derstandard.at/oberndorfer

    Diese alte Frau wird per Wahlkarte wählen. Wem sie ihre Stimme gibt, wollte sie Schmidt nicht verraten.

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