1000 Soldaten gegen die Camorra

22. September 2008, 16:20
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Erster Verdächtiger nach dem Massaker von Castelvolturno festgenommen

Die italienische Regierung will am Dienstag über die Entsendung von 1000 Soldaten nach Kampanien entscheiden. Bereits am Wochenende sind in der Provinz Caserta 400 zusätzliche Polizisten eingetroffen, die im Kampf gegen die Camorra eingesetzt werden sollen. Am Montag haben die Ermittler einen ersten Verdächtigen für das Blutbad in Castelvolturno verhaftet. Der vorbestrafte Alfonso Cesarano, der als Mitglied des Casalesi-Clans gilt, lebte unter Hausarrest. Er soll vergangene Woche mit zwei Komplizen einen Camorrista und sechs afrikanische Zuwanderer erschossen haben.

Nach den Ausschreitungen aufgebrachter Afrikaner hat sich die Lage in Castelvolturno inzwischen wieder etwas beruhigt. Der Bürgermeister der Gemeinde bezeichnete den Ort als "Pulverfass, das von allen Regierungen seinem Schicksal überlassen" worden sei. Der Staat sei außerstande, die Bürger zu schützen und das Krebsgeschwür der Camorra auszumerzen. In Castelvolturno leben neben 25.000 Einheimischen rund 20.000 Immigranten, die sich meist mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen.

Vor allem Nigerianer lassen sich oft von der Mafia als Dealer anwerben. Der Autor des Camorra-Bestsellers Gomorrha, Roberto Saviano, appellierte Montag eindringlich an die Bewohner Kampaniens, endlich ihre passive Haltung aufzugeben und für eine bessere Zukunft zu kämpfen: "Wie könnt ihr tatenlos zusehen, wie eine Handvoll Killer in wenigen Monaten 16 Menschen ermorden?" , fragte er auf der Titelseite der Repubblica. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2008)

 

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