Bandstocks: Musikfans erwerben Künstler-Aktien

20. September 2008, 13:44
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Musik-Plattform setzt auf Investitionen aus der User-Community

  Auf der Suche nach einem Weg aus der Umsatzmisere der Musikindustrie setzen ihre Künstler zunehmend auf alternative Geschäftsmodelle. Jüngstes Beispiel hierfür ist die britische Online-Plattform Bandstocks, die es sich laut eigenen Angaben zum Ziel gesetzt hat, Musikliebhabern den "Glauben in den Rock'n'Roll" wieder zu geben. So bietet die Plattform Nutzern die Möglichkeit, neue, noch eher unbekannte Musiker und Gruppen finanziell und emotional zu unterstützen.

Größtes Erfolgspotenzial

Hierfür müssen sie lediglich einen Favoriten auf dem Portal auswählen, der ihrer Meinung nach das größte Erfolgspotenzial verspricht. Steht die Entscheidung einmal fest, können sie eine Art Aktienanteil an dem betreffenden Künstler erwerben, der mindestens zehn Pfund (12,37 Euro) beträgt. Sobald die Finanzierung insgesamt einen Wert von 100.000 Pfund erreicht hat, erhält der Begünstigte das Geld für eine Albumaufnahme und die weitere Vermarktung. "Unser Portal bringt für die Künstlerseite einen höheren finanziellen Rücklauf als bei einem Vertrag mit einem Majorlabel, mehr Freiheiten und eine bessere Kontrolle über das Rechtemanagement", erklärt Bandstocks-Gründer Andrew Lewis gegenüber dem Guardian.

Neues Geschäftsmodell

Aber auch auf Seite der Investoren habe das neuartige Geschäftsmodell einiges zu bieten. "Investoren erhalten eine Kopie des produzierten Albums, werden auf dem CD-Cover genannt und sind an den durch Verkauf und Lizenzierung erwirtschafteten Gewinnen beteiligt", fasst Lewis zusammen. "In weiterer Folge hoffen wir auch darauf, dass Künstler, die einmal auf Bandstocks angefangen haben, wieder auf die Seite zurückkehren, um ihr nächstes Album zu produzieren", meint Lewis. Schließlich und endlich werde aber wohl ausschließlich der Investitionswille der Nutzer darüber entscheiden, ob das Projekt ein Erfolg oder ein Fehlschlag wird. "Wir hoffen in unserem ersten Jahr zehn Albumproduktionen finanzieren zu können", so Lewis. Gestartet ist Bandstocks mit zwei Künstlern.

"frYars"

Der erste, ein 19-jähriger Londoner, der unter dem Pseudonym "frYars" auftritt, hat mittlerweile bereits eine Investitionshöhe von 13.010 Pfund erreicht. Der zweite Musiker ist der 24 Jahre alte Jersey Budd, dessen Wert derzeit bei 5.500 Pfund steht. "Ich hatte auch mehrere Angebote von Plattenfirmen", wird Budd vom Guardian zitiert. Da er aber sehr zuversichtlich bezüglich seiner Musik und der Zukunft von Bandstocks sei, habe er sich letztendlich gegen den traditionellen Vertriebsweg entschieden. "Die Musikplattform ist zudem ein weitaus ehrlicherer und transparenterer Weg, Platten zu veröffentlichen", ergänzt Budd. Darüber hinaus finden sich zwar bereits viele weitere Künstler auf dem Portal, diese konnten aber bislang noch keine Investitionen von Nutzern generieren.

Filesharing und Verkaufszahlen

Seitdem im Jahr 2000 die Zahl der Filesharing-Plattformen im Internet sprunghaft angestiegen ist, kämpft die Musikindustrie mit rückläufigen Verkaufszahlen. Als Konsequenz dieser Entwicklung suchen ihre Künstler verstärkt nach neuen Möglichkeiten, um ihre Werke möglichst effizient und kostengünstig veröffentlichen zu können. Dass Bandstocks in dieser Hinsicht mit seinem innovativen Geschäftsmodell nicht alleine ist, zeigt etwa die Musik-Plattform SellaBand, die auf einen ähnlichen Ansatz setzt. Die Nutzer-Community der Seite hat inzwischen bereits 25 Künstler in eine professionelle CD-Produktion geschickt.(pte)

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    Für "frYars" haben Nutzer bereits 13.010 Pfund investiert.

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