Erste Hilfe bei Dachschaden

20. September 2008, 17:00
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Im Herbst weist sich, welches Dach dicht hält und welches nicht. Wer saniert, der kann neben gebranntem Ton auf viele unterschiedliche Dachdeckungsmaterialien zurückgreifen

Eine Abwägung der Vor- und Nachteile.

Die ersten Regenfälle und Stürme sind nicht nur die Vorboten für den Winter, sondern erteilen auch Auskunft darüber, ob das Dach dicht ist und noch sattelfest auf dem Haus sitzt. "Wir wickeln rund 300 Projekte im Jahr ab", sagt Hermann Ohr, Geschäftsführer der Spenglerei und Dachdeckerei Ohr im burgenländischen Purbach, "die meisten davon sind Sanierungen und Reparaturen".

Nach 40 oder 50 Jahren, erklärt der Fachmann, müssten viele Dächer getauscht werden. Wenn nach dem ersten Septemberregen Wasserflecken oder gar Pfützen auf dem Dachboden aufgetreten sind, dann ist man gut beraten, einen umfassenden Dachcheck durchführen zu lassen. Die Kosten für eine professionelle Begehung belaufen sich je nach Hausgröße auf 500 bis 600 Euro.

Kleinere Schäden werden Dachdecker und Spengler punktuell vornehmen. Bei größeren Problemen in der Dachhaut oder bei genereller Materialschwäche im Zuge hohen Alters lohnt es jedoch, unter Umständen eine neue Deckung in Betracht zu ziehen. Das Angebot ist groß: Neben gebranntem Ton und Faserzement gibt es Dachdeckungen aus Aluminium, Kunststoff oder sogar mit integrierten Fotovoltaik-Modulen.

"Man würde vermuten, dass die Leute in diesem Land in puncto Dachdeckung konservativ sind", sagt Robert Pramendorfer, Vertriebsleiter der Eternit-Werke Ludwig Hatschek in Vöcklabruck. "Aber das Gegenteil ist der Fall. Im Vergleich zu unseren Nachbarländern scheinen wir erstaunlich mutig zu sein." Während in Italien im Einfamilienhausbereich fast ausschließlich Rundziegel verlegt werden, greifen die Häuslbauer in Österreich gerne zu diversen modernen Alternativen.

Das Optimum für jedes Dach

Die Form des Produkts – ob Falzziegel, Biberschwanz oder Flachdachpfanne – ist in erster Linie eine Frage des Geschmacks. Anders verhält es sich bei Material und Verlegungstechnik. Diese sind nämlich abhängig von der Dachneigung, von der statischen Tragfähigkeit des Dachstuhls, von den zu erwartenden Niederschlagsmengen im jeweiligen Gebiet und nicht zuletzt vom Budget.

Meist hat der Kunde auch noch die Wahl zwischen einfacher und doppelter Deckung, was sich freilich ebenfalls auf den Preis niederschlägt. "Die Doppeldeckung ist schwerer und teurer, dafür ist die Qualität ungleich hochwertiger", erklärt Dachdecker Ohr. "Durch die Überdeckung sind die Dächer absolut flugschnee- und schlagregendicht. Die exklusiven Häuser sind bei uns immer doppelgedeckt."

Die tatsächlichen Marktanteile zwischen den unterschiedlichen Dachbaustoffen sind schwer auszumachen, denn unterschiedliche Firmen kalkulieren auf unterschiedliche Weise. Die telefonische Umfrage hat ergeben, dass sich jedes Unternehmen unter bestimmten Betrachtungswinkeln als Marktführer erachtet.

"Tatsächlich ist die Verwendung der Baustoffe regional sehr unterschiedlich", sagt Gerhard Hohl, Landesinnungsmeister der Dachdecker in Wien, auf Anfrage des Standard. "Man kann nur so viel sagen: Am häufigsten anzutreffen sind bei uns Tondachziegel, Faserzement, Aluminiumdeckung und Beton."

Große Unterschiede

Vor- und Nachteile gibt es da wie dort. Tondächer beispielsweise sind in der Verlegung besonders günstig, weil sie lediglich eingehängt werden. Absolut sturmsicher sind sie aufgrund der unbefestigten Verlegung allerdings nicht. Faserzement hingegen wird genagelt und geschraubt, ist daher auch teurer in der Verlegung, aber dafür auch weitaus sturmfester als lose verlegte Dachschindeln. Und Aluminiumdächer zeichnen sich dadurch aus, dass sie leicht und besonders langlebig sind, aber energetisch aufwändig in der Herstellung und daher auch dementsprechend teuer.

Wer besonders nachhaltig bauen möchte, der kann auf Kunststoff-Recyclat zurückgreifen. Gewonnen wird der Werkstoff zumeist aus Verpackungsabfällen. Einziger Nachteil: Weit verbreitet ist diese Bauweise nach Auskunft von Fachleuten in Österreich noch nicht. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.9.2008)

  • Der Herbst bietet einem öfter die Möglichkeit, über ein neues Dach
nachzudenken. Die Methoden der Dachdeckung sind heute vielfältig.
    Collage: STANDARD/Friesenbichler

    Der Herbst bietet einem öfter die Möglichkeit, über ein neues Dach nachzudenken. Die Methoden der Dachdeckung sind heute vielfältig.

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