Abschlepp-Telefonat

19. September 2008, 20:36
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Abschleppfahrzeug - Lenker telefonierte nicht nur schamlos ohne Freisprecheinrichtung, sondern gestikulierte mit der anderen Hand auch noch auf italienisch

Zugegeben, meist weiß man ja im Grunde seines Herzens: Das geht schon in Ordnung so. Wenn man etwa im Zentrum von Hietzing einen Parkschein für eine halbe Stunde ausstellt und dann erst nach zwei Stunden zu seiner Karosse zurückkehrt, braucht man sich wirklich nicht zu wundern, dass dann ein Strafzettel den Scheibenwischer ziert. Da kann man sich höchstens noch fragen: "Ja, haben die in Hietzing nichts Besseres zu tun?" Und dann zahlt man halt schön brav.

Dann aber gibt es hin und wieder Momente, wo einem das Unrecht geradezu schreiend, ja kreischend ins Gesicht hupft. Wie dieser Tage im Wiener Bezirk Alsergrund. Da ging es nimmer um einen Strafzettel - sondern ums Abschleppen eines Autos. Was an sich auch noch nichts Besonderes wäre - wer seinen Kübel blöd und vor allem verkehrsbehindernd hinstellt, muss nun einmal damit rechnen.

Nur: Der Lenker dieses Abschleppfahrzeuges - war dann keiner, weil er nicht lenkte: Denn als er nach dem Aufladen des parksündigen Autos die Alser Straße hinunterfuhr, telefonierte er nicht nur schamlos am Steuer ohne Freisprecheinrichtung, sondern gestikulierte mit der anderen Hand auch noch weit ausholend in der Fahrerkabine. Sah richtig italienisch aus.

Ein Verkehrssünder, der Parksünder bestraft? So etwas stößt ungut auf. Vor allem, wenn die Grundstimmung des Autobesitzers ohnehin nicht die beste sein dürfte. Schließlich muss der jetzt mit mindestens 269 Euro rechnen: 70 Euro Polizeistrafe, 192 Euro Abschleppgebühr und dazu noch die "Verwahrungsgebühr" von sieben Euro pro Tag. Für den Falschparker, wohlgemerkt. Nicht für den Handysünder.  (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 20./21.09.2008) 

 

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