Hilton kommt unter das Giebelkreuz

19. September 2008, 20:08
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Soravia-Gruppe gibt Wiener Hotel mehrheitlich ab - Osteuropa-Allianz in Überlegung

Wien - Die Raiffeisen-Bastion am Wiener Stadtpark wird ausgebaut. Der Zubau neben der RZB auf dem Gelände des früheren Bus-Terminals wird soeben fertiggestellt, nun soll auch das Nachbarhochhaus ins Reich des grünen Riesen eingemeindet werden: Das bekannte Wiener Hilton Hotel am Stadtpark.

Wie der STANDARD in Erfahrung brachte, sind die Gespräche über einen mehrheitliche Erwerb der Immobilie von der Soravia-Gruppe weit gediehen, auch wenn die RZB unter Verweis auf die "laufenden Verhandlungen" keine näheren Angaben machen möchte. Multi-Unternehmer Hanno Soravia wiederum meint, man sei noch "weit davon entfernt" . Den Wert des Objekts, das vor mehr als sieben Jahren gemeinsam mit der Familie Dichand um eine Milliarde Schilling erworben wurde, beziffert er mit rund 180 Mio. Euro. Zudem flossen 61 Mio. Euro in die Renovierung und den Ausbau.

Allianz mit Raiffeisen möglich

Soravia betont zugleich, dass man in jedem Fall eine Beteiligung am Hilton behalten wolle. Und: Vielleicht komme ein "größeres Paket" mit der RZB zustande, so der Unternehmer kryptisch.
Offenbar denkt die Gruppe an eine Allianz mit Raiffeisen in Osteuropa, wo derzeit Projekte im Volumen von 850 Millionen Euro entwickelt werden. Nach Fertigstellung könnten die Immobilien - zur Zeit werden u.a. Hotels in Sofia, Bukarest, Belgrad und Riga sowie Shopping Center und Bürohäuser gebaut, auch in Albanien, Mazedonien und im Kosovo ist man tätig - an das angedachte Joint-Venture übertragen werden. Allerdings will ein RZB-Sprecher von dieser Idee noch nichts gehört haben.

Für die Entwicklung gibt es mit der Weltbank-Tochter IFC (International Finance Corporation) bereits einen Partner. Sie hat kürzlich 13,3 Prozent um einen zweistelli-gen Millionenbetrag an der in der Region tätigen Soravia Real Estate übernommen und finanziert die Expansion in Südosteuropa mit zusätzlichem Geld in ähnlicher Größenordnung mit.

Raiffeisen wiederum verfügt außer den eigenen Immobilien über keinen allzu großen Bestand an Objekten, in der Projektentwicklung ist die Tochter Raiffeisen Evolution tätig. Beim Hilton dürfte Raiffeisen vor allem die Lage reizen, die auch Hanno Soravia als "sensationell" bezeichnet. Angesichts des massiven Wachstums der Bank könnte, so wird in der Branche gemunkelt, eines Tages auch Eigenbedarf angemeldet werden. Vorausgesetzt, Pächter Hilton ist damit einverstanden.

Über Plan

Derzeit umfasst das Hotel auf 35.000 Quadratmetern 534 Zimmer und 45 Suiten, dazu kommt ein 870 Gäste fassender Kongressraum, auf dem der wellenförmige RZB-Zubau steht. Soravia schwärmt jedenfalls vom 71 Meter hohen Hotel, das heuer um zehn Prozent besser ausgelastet sei als budgetiert.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.9.2008)

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