Es ist schwer, ist es nicht?

19. September 2008, 19:54
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Einmal damit begonnen, Dinge auf den Kopf zu stellen, schlagen wir gleich mehrere sprachliche Purzelbäume

Alle reden von der Teuerung. Wir auch – aber wie! Zumindest den Wirtschaftsbericht über die mögliche Preiserhöhung bei den ÖBB vom vergangenen Mittwoch sollte man sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Wir warnten die möglichen Reisenden: „Mit etwas Verspätung, nämlich ab Juli 2009, wird die geplante Fahrpreiserhöhung eintreffen, bestätigt Lutter auf Anfrage des Standard. Mit einer Einschränkung: ,Sofern sich das Ministerium nicht entschließt, die Preise inflationsbedingt auch im zweiten Halbjahr nicht zu erhöhen‘, sagt Lutter.“

Irgendetwas passiert nicht, aber was und wer soll sich da auskennen? Entschließt sich nun das Ministerium, die Preise nicht zu erhöhen, dann bleiben die Tarife niedrig. Möglich wäre auch: Das Ministerium entschließt sich nicht, Preise zu erhöhen – es bleibt auch billig. Wenn man aber ganz besonders dagegen ist, nicht wahr, dann wird’s offenbar teuer, weil das Ministerium sich ja nicht entschließt, die Preise nicht zu erhöhen. – Also doch, sagt da der gelernte Österreicher. Wahr ist eben oft das Gegenteil, nicht wahr?

Einmal damit begonnen, Dinge auf den Kopf zu stellen, schlagen wir gleich mehrere sprachliche Purzelbäume. Ein paar Seiten weiter in derselben Ausgabe hieß es: „Die Gewerkschaft warnt vor immer stärkerem Druck auf Arbeitgeber, Teilzeitjobs anzunehmen.“ Die Warnung lässt sich nachvollziehen. Wie soll es da wirtschaftlich aufwärts gehen, wenn immer mehr Unternehmer nur noch halbtags arbeiten dürfen? Bloß, wer bietet einem Arbeitgeber einen Teilzeitjob im eigenen Betrieb an? Wir haben den Lapsus bemerkt, nicht alle Leser hat aber die korrigierte Fassung erreicht, in der von Arbeitnehmern die Rede ist.

Auch verkehrt: „So bestieg Churchill Ende Juli 1898 in Marseille ein Schiff nach Kairo, fuhr den Nil hinunter und nahm als Kavallerieleutnant an der Kampagne gegen den Mahdistenstaat im Sudan teil.“ „Den Nil hinunter“ ist von Kairo aus ein kurzes Stück, dann ist man im Mittelmeer. Der im ALBUM der vergangenen Woche angesprochene Sudan liegt in der anderen Richtung – stromaufwärts. Nichtnautiker mögen sich schwertun, so richtig steil bergab geht es ja auf keinem großen Fluss dieser Erde, von Wasserfällen abgesehen; dennoch gilt: Hinunter ist flussabwärts, also in Richtung Mündung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.9.2008)

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