Bahn frei für neue Zocker

19. September 2008, 19:08
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Noch nie zuvor wurde Gift, das auf irrigen bis irren Annahmen aufbauende Geschäfte absonderten, so schnell um den Globus verteilt wie diesmal - Von Leo Szemeliker

Es gibt Investmentbanker, die behaupten, derzeit möchte man kein Investmentbanker sein. Vorbei die Zeiten, als die wichtigste Entscheidung nach einem erfolgreichen Tag mit ein paar milliardenschweren Zinsswap-Tradings darin bestand, zwischen Ferrari, Porsche und Aston Martin als Viertfahrzeug auswählen zu müssen.

Doch Marktwirtschaft bedeutet mitunter auch: Was den einen ins Unglück stürzt, macht den anderen froh. So sagen andere Banker hinter vorgehaltener Hand bereits, es sei nicht gar so schlimm, dass es die großen Wall-Street-Häuser wie Lehman Brothers übers Wochenende zerbröselt. Denn dann bleiben für diejenigen, die zuvor in der zweiten Reihe hinter den Stars des Investmentbankings gestanden sind, mehr als nur Brotkrumen. Denn noch immer sei genug Geld unterwegs, das manisch Veranlagung, Renditen, Vermehrung suche. Und es gibt noch immer kluge Köpfe in den Citys und Wall Streets dieser Welt, die neue Wertpapiere erfinden, diese mit tollen Namen wie Enhanced, Wealth und Trust versehen und weltweit verkaufen. Auch jene neue Superbehörde, die der US-Finanzminister bilden will, die alle Giftpapiere der Banken - auch diese alle mit vertrauenswürdig klingenden Namen - beim Staat zwischenlagern will, um sie bei gutem Wind wieder zu verscherbeln.

Noch nie zuvor in der Wirtschaftsgeschichte wurde Gift, das auf irrigen bis irren Annahmen aufbauende Geschäfte absonderten, so schnell um den Globus verteilt wie diesmal. Ob ein Lerneffekt ebenso schnell die Runde macht? Angesichts der Tatsache, dass sich die Krisengewinnler bereits die Hände reiben, wohl nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.9.2008)

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