Böse Scherze zum Börsensturz

19. September 2008, 19:07
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In den USA kollabieren Banken, die Stimmung schlägt in Panik um - Comedians und Late-Night-Talker haben ihre Freude daran

Los Angeles / Wien - Den Vogel schoss Jon Stewart ab: "Gestern fiel der Dow Jones um 500 Punkte", begann er seine Late-Night-Show auf Comedy Central, als die Banken krachten. "Als Folge des größten Bankrotts der amerikanischen Geschichte brach Lehman Brothers zusammen. Es geschah nach 158 Jahren - nachdem das Unternehmen die Geschäfte Bongo, dem jüngsten der Lehman-Brüder überließ." Eine Einblendung zeigt das Antlitz des Managers. Kein gestandener Jungmanager scheint da am Bildschirm auf, sondern: ein Clown.

In den Vereinigten Staaten kollabieren Banken, stürzen Kurse ins Bodenlose, die Stimmung schlägt in Panik um. Aber Comedians und Late-Night-Talker haben ihre Freude daran. Mehr noch: Für sie bzw. deren Gagschreiber kann die aktuelle Lage besser gar nicht sein. Ohne Krise hätten Late-Night-Talker wie Jay Leno, David Letterman oder Conan O'Brien bis zu den US-Wahlen dahingewitzelt, ihre Sticheleien über die Präsidentschaftskandidaten, allen voran über ihr Lieblingsobjekt Sarah Palin, routiniert fortgesetzt.

"Aber fürchtet euch nicht!"

Mit den Börsenturbulenzen gewinnen die Spitzen gegen Politik und Gesellschaft in diesen Vorwahlzeiten nun aber plötzlich wieder an Schärfe: Er glaube nicht, dass Präsident Bush die Vorgänge im Detail verstehe, meint etwa Jay Leno: "Als Bush von Lehmans Bankrott hörte, sagte er: Und wo soll ich jetzt meine Billiganzüge kaufen?", witzelte Leno. "Aber fürchtet euch nicht!", scherzt Jimmy Kimmel auf ABC. In einer Pressekonferenz habe der Präsident versichert, das Geschehen völlig im Blick zu haben. "Are you ready for football?" - "Seid ihr bereit für Football?", ruft Bush einstweilen per Einspielung zu.

Zweifel an der Seriosität der Geschäfte äußert Conan O'Brien: "Die Fundamente unserer Wirtschaft sind stark. Wir sind nicht zum Tauschhandel zurückgekehrt. Trotzdem glaube ich, dass die Bank of America Merrill Lynch für zwei Ziegen und ein paar Orangen gekauft hat."

Wie sonst so kühle Banker mit den Einbrüchen umgingen, stellen hingegen die Stand-up-Comedians John Bird und John Fortune im britischen Channel 4 nach. An einem Tag reagierten sie panisch: "Etwas Schreckliches ist passiert! Wir haben alles verloren! Mein Gott! Was sollen wir tun?", um sich nur Tage später ganz sophisticated zurückzulehnen und zu sagen: "Die Dinge laufen eigentlich ziemlich gut. Ich denke, wir sind reich."

Wie der US-Markt vor dem Crash funktionierte, weiß der Brite Bird ebenfalls genau: "Ich rufe jemanden in Tokio an, sage, ich habe dieses Aktienpaket. Möchtet ihr es kaufen? Sie sagen: Was ist es? Ich sage: Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Sie sagen: Wie viel willst du dafür? Ich sage: 100 Millionen Dollar. Und sie sagen: Fine, that's it!" (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.9.2008)

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    Scherze zum Crash: Jay Leno.

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