Aase, Affen und Arthritis

19. September 2008, 18:58
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Ibsens "Peer Gynt", altmodisch verpackt am Salzburger Landestheater

Salzburg - Halbwegs ambitioniertes Stadttheater dürfte nicht so ranzig nach dem szenischen Schmieröl der Siebzigerjahre duften.

In diese graue Zeit der abstrakten Bühnenbild-Spielzeugschachteln, der unentwegt in Falltüren purzelnden Darstellerpuppen, der infantilisierten Requisiten in wehenden Trockennebelschwaden fühlt man sich zum Saisonauftakt am Salzburger Landestheater versetzt. Solch karge Multifunktionalität auf schräg rotierenden Rutschpisten wurde damals als kostengünstige Einheitssandkiste für große Oper und Welttheater allerorten beliebt. Der scheidende Salzburger Intendant Peter Dolder hat sich bei seinem missglücken Bewältigungsversuch des poetischen Dramenkontinents Peer Gynt von sehr altmodischen Grundvorstellungen nicht gelöst. Ibsens rücksichtsloser Oberwildling auf zerstörerischer Selbstsuche müsste mehr sein als ein draufgängerischer Rotzjunge, dessen Entwicklungsmöglichkeiten durch den Missgriff einer Zweitbesetzung gekappt werden.

Ensemble-Methusalem Gerhard Peilstein liefert bei der Illustration von Peers schändlichen Mannesabenteuern im Süden und der tragischen Heimkehr des Seelenwracks die gewohnt solide darstellerische Auslegware. Viel interessanter wäre es gewesen, den quirligen Torsten Hermentin bei seinen Prüfungen, bei physischem Abstieg und verzweiflungsvoller Reifung genauer zu beobachten. Im dramaturgisch schwierigen zweiten Teil mit seinem bizarren und skurrilen Szenengewirr zwischen Sphinx, Irrenhaus, Affenhorde und Schiffsuntergang ist jede Spannung wie weggeblasen. Die zur Verfügung stehenden schwachen Kapazitäten, flaue Sprechqualität, aber auch der fantasielose Regiezugriff gleiten am Sarkasmus wie an der poetischer Innenschau ab.

Schade um die Farben der Fassungsschichtungen von Peter Stein, Botho Strauß und Christian Morgenstern.

Kleine, aber beeindruckende Einzelleistungen wie die Knopfgießerszenen mit Werner Friedl stoppen die Versandung für Augenblicke. Lyrische Textöffnungen sind nur vereinzelt möglich. Am ehesten im Zusammenhang mit dem Hauptdarsteller. Die Sterbeszene mit Mutter Aase (Franziska Sörensen) gehört dazu. Eine Sünde, dieses Potenzial nicht wirklich entdeckt zu haben. (Anton Gugg, DER STANDARD/Printausgabe, 20./21.09.2008)

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