Klimt-Villa: Happy End mit Behindertenwerkstatt

19. September 2008, 15:07
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Letztes Atelier des Jugendstilmalers soll der Öffentlichkeit erhalten bleiben - Eröffnung für 2010 angestrebt

Wien - Nach jahrelangem Kampf um den Erhalt der Wiener Klimt-Villa scheint nun das Happy End gefunden: Das Kuratorium für künstlerische und heilende Pädagogik wird am Areal eine Behindertenwerkstätte errichten. Die historische Villa selbst soll bis 2010 restauriert und als Kulturzentrum genutzt werden. Dabei soll das letzte Atelier des Jugendstilmalers der Öffentlichkeit zugänglich bleiben, wurde am Freitag bei der Präsentation des Konzepts versichert.

Zunächst starten noch im Herbst die Arbeiten an den beiden Nebengebäuden jüngeren Datums, in denen auf 850 Quadratmetern Behindertenwerkstatt, Freizeit- und Veranstaltungsbereich für Jugendliche und Erwachsene entstehen. Der Verein, bis dato im Bezirk Neubau angesiedelt, benötige aus Platzmangel dringend einen neuen Standort, so Leiterin Elisabeth Rössel-Majdan. Und bei der Suche habe man viel Hilfe erfahren: "Es waren verschiedene Engel tätig an dem Konzept."

Villa wird restauriert

Das Kuratorium übernimmt das Objekt von der Burghauptmannschaft über einen Fruchtgenussvertrag, nachdem zuletzt im Frühjahr das Belvedere mit Umbauplänen zu dem 5.500 Quadratmeter großen Areal gescheitert war. Dabei wird die Villa restauriert.  Nach der Erstellung einer Nutzungsstudie könnten die Arbeiten an dem Gebäude bereits 2009 starten, wobei eine Eröffnung 2010 denkbar sei, so Beer. Das Atelier soll unter Verwaltung des Kuratoriums der Öffentlichkeit zugänglich sein, wobei hier auch eine Forschungsstätte und eine Verkaufsstelle für Klimt-Souvenirs samt Klimt-Cafe eingeplant sind. Die Räumlichkeiten im Obergeschoß sollen hingegen für Kulturaktivitäten genutzt und auch vermietet werden. Vor dem Bau soll der historische Rosengarten aus Klimts Zeiten wiedererstehen.

Klimt hat Villa nie gesehen

Gustav Klimt hat die Wiener Klimt-Villa übrigens nie gesehen: Das heutige neobarocke Gebäude stammt aus dem Jahr 1923 und wurde über dem letzten Atelier des 1918 verstorbenen Jugendstilmalers errichtet. Dessen Grundsubstanz blieb dabei allerdings erhalten, weshalb Ende der 1990er Jahre eine wechselvolle Suche nach einem zukunftsträchtigen Konzept für den Bau begann. Klimt hatte 1911 ein ebenerdiges, kleines Haus in einem Garten der Feldmühlgasse in Unter St.Veit gemietet und dort bis zu seinem Tod gearbeitet.

Arisiert

Nach seinem Dahinscheiden zerschlugen sich bereits damals Pläne, das Objekt als Gedenkstätte zu erhalten, sodass schließlich 1923 die Familie Klein das Areal kaufte. Sie überbaute das bestehende Gartenhaus mit der heutigen Villa im "Rosenkavalierstil" samt Freitreppe, Flachdach und Balustersims. Von den Nazis enteignet, wurde der Bau nach dem Krieg an die Erben restituiert und 1954 erneut an die Republik verkauft. Diese nutzte das 5.500 Quadratmeter große Areal für Schulzwecke, so als Dependance einer HTL.

1998 gründete sich schließlich der Verein "Gedenkstätte Gustav Klimt", der sich auf die Suche nach Rudimenten des Ateliers machte. Er konnte nachweisen, dass es sich bei der Immobilie um das fragliche Objekt handelte und das Atelier in Teilen noch original erhalten geblieben war. 2000 gelangte das Areal auf die Liste der unveräußerlichen Objekte des Bundes, wobei seither eine lange Suche nach einem zukunftsträchtigen Konzept begann.

2004 trat beispielsweise der Verein in Zusammenarbeit mit der Baukulturstiftung als Interessent auf, scheiterte jedoch ebenso wie die Idee, dort ein Jugendstilmuseum einzurichten. 2007 übernahm das Belvedere das Areal und wollte das Atelier aus der darübergebauten Villa "herausschälen", was auf Widerstand von Bundesdenkmalamt und Burghauptmannschaft traf. So kam letztlich das Kuratorium für künstlerische und heilende Pädagogik zum Zug, das in den Nebengebäuden eine Behindertenwerkstatt einrichten wird. Das Atelier soll wie die gesamte Villa in ihrem jetzigen Aussehen bis 2010 rekonstruiert werden und der Öffentlichkeit zugänglich sein. Das Obergeschoß wird Veranstaltungen dienen und der historische Rosengarten neu gepflanzt werden. (APA)

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