Soros: "Europa steuert auf Deflation zu"

19. September 2008, 14:20
42 Postings

Experte hält Zusammenbruch des Finanzsystems für möglich

Paris - Der US-Finanzjongleur George Soros hält einen Zusammenbruch des Finanzsystems wegen der jüngsten Krise für möglich. Seit einigen Tagen gebe es "eine neue Tatsache: Sie besteht darin, dass die Möglichkeit einer Explosion des Systems existiert", sagte Soros, der mit seinen Spekulationen zum Milliardär wurde, der Zeitung "Le Monde". Dies sei Folge einer "Ideologie des Laissez-faire und der Selbstregulierung". Die US-Notenbank Fed und die Finanzaufsicht hätten den Marktakteuren zu viel Freiheit gelassen, wodurch "ein monströs verzweigter Kreditmarkt" entstanden sei.

Es sei klar, dass die Finanzkrise "sich auf die Realwirtschaft übertragen wird", sagte Soros weiter. "Die USA sind wahrscheinlich schon in der Rezession, und das wird sich in den kommenden Quartalen beschleunigen." Europa steuere inzwischen angesichts der wieder sinkenden Rohstoffpreise auf eine "Phase der Deflation" zu - also einen Preisverfall bei Gütern und Dienstleistungen, der aber letztlich die heimische Wirtschaft unter Druck setzt und zu steigender Arbeitslosigkeit führt. Soros empfahl deshalb der Europäischen Zentralbank, ihre Zinsen zu senken, um die Geldmenge auszuweiten und so die Deflation zu verhindern.

In Asien werde von der Krise insbesondere die bisher boomende Wirtschaft Chinas betroffen sein, sagte Soros weiter. Die Volksrepublik habe ihre Exporte bereits reduziert. "Die Regierung hat dank ihrer Währungsreserven die Mittel, um die Wirtschaft zu stimulieren." Sie dürfe aber keine Fehler begehen, warnte er. Denn es gebe das Risiko, dass die Finanzkrise für China wie in Indonesien 1998 in eine "politische Krise ausarten könnte". (APA/AFP)

Share if you care.