"Jeder Zweite schluckt Schmerzmittel"

19. September 2008, 14:29
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In Österreich boomt der Golfsport: Bei guter Schlagtechnik birgt der ehemalige Elite-Sport wenig Verletzungsrisiko - Schmerzen durch Fehlhaltungen sind aber häufig

Die Idee hinter dem Golfsport ist denkbar einfach: Ein kleiner Ball soll mit möglichst wenigen Schlägen in achtzehn verschiedenen Löcher versenkt werden. Ein harmloser Spaziergang, mehr Spiel als Sport - mit diesem Image lebte Golf über viele Jahrzehnte.

Schmerzmittel schlucken

In der Tat ist Golf bei hoher Konzentrationsfähigkeit und jeder Menge Geduld ein durchaus beschauliches Vergnügen. Wer jedoch den alles entscheidenden Schläger nicht richtig im Griff hat, wird bald mit Verletzungen und Überlastungsschäden Bekanntschaft machen. "Jeder zweite Golfspieler, der zu mir in die Praxis gekommen ist, hat regelmäßig Schmerzmittel geschluckt", erzählt Ursula Hofmann, begeisterte Golferin und Fachärztin für physikalische Medizin.

Chronische Beschwerden

Die Praxis der Wiener Osteopathin war mit Golfern mit chronischen Beschwerden gefüllt. Irgendwann hat sie ihre persönliche Bilanz zu dem Thema gezogen: "Golfsportler wärmen sich zu wenig auf".  In ihrem kürzlich erschienen Buch: "Gesund Golfen - Körperlich & Mental", leistete sie ihren präventivmedizinischen Beitrag zur Lösung. Die Expertin plädiert für regelmäßiges Aufwärmen und ein gezieltes Kräftigungsprogramm für die rumpfstabilisierende Muskulatur.

Belastete Wirbelsäule

Von der Rumpfstabilisierung profitiert primär der Rücken. Das macht Sinn, denn Wirbelsäulenprobleme stehen ganz oben auf der Liste chronischer Überlastungsschäden im Golfsport. Auslösend ist die Drehung des Oberkörpers beim Abschlag des Balls. Bis zu 100 Rumpfrotationen während einer Golfrunde sind üblich.

"Mit der richtigen Schlagtechnik kann man sogar mit Bandscheibenproblemen dem Golfsport frönen", weiß Erich Altenburger, diplomierter Sportarzt und Facharzt für Unfallchirurgie in Korneuburg und hält das frühe Erlernen der richtigen Technik für entscheidend.

Bandscheibenpprobleme

Vorbestehende degenerative Veränderungen der Wirbelsäule beschleunigen in der Regel das schmerzliche Drama. Zusätzliches Handicap: Freizeitgolfer besitzen in der Regel eine ausgeprägt schwache Rückenmuskulatur. Die Wucht jedes Abschlags landet ungebremst auf der Wirbelsäule.

Entzündung der Sehnenansätze

Unkontrollierte Schläge fordern auch am Ellbogen und Handgelenk ihren Tribut. Der klassische Golferellbogen ist eine Entzündung der Sehnenansätze an der Innenseite des Gelenks. Ursache ist meist die verkrampfte Haltung des Schlägers. Beschwerden im Handgelenk treten bei Rechtshändern vorwiegend links auf, korrelierend mit der Kraftübertragung beim Abschlag.

Jeder Pro (Golftrainer) weiß Griff- und Schwungtechnik zu analysieren. Mit der Anpassung der Griffstärke an die individuelle Handgröße und dem Perfektionieren der Schwungtechnik verschwinden in vielen Fällen auch die Beschwerden.

Seltene Überbelastung

Das Risiko einer akuten Verletzung beim Spiel oder Sport rund um den kleinen weißen Ball ist verglichen mit chronischen Überlastungsschäden eher gering. "Sportspezifisch ist der Bruch des Hakenbeins in der Handwurzel", erwähnt Altenburger eine Verletzung, die passieren kann, wenn der Spieler den Boden, anstelle des Balls mit dem Schläger trifft. Typisch für "Luftschläge" sind Muskelzerrungen im Schulterbereich.

Zehn Kilometer Spaziergang

Mal ganz abgesehen davon, dass jeder Sport gesundheitsschädigend sein kann, überwiegen bei dieser Ballsportart garantiert die gesundheitlichen Vorteile. "Zwei Golfrunden wöchentlich und das Herzinfarktrisiko sinkt um 50 Prozent", hebt Altenburger vor allem die kardioprotektive Wirkung hervor. Pro Golfrunde, die im Schnitt vier Stunden dauert, legt der Golfspieler eine Wegstrecke von zehn Kilometern zurück.

Der beachtliche Energieverbrauch von 1650 kcal führt auch zu gesteigerter Fettverbrennung. Davon profitieren auch junge Menschen. Umso besser, dass sich Golfverbände vermehrt auch um jüngere Sportler bemühen. (phr, derStandard.at)

  • Zwei Golfrunden wöchentlich und das Herzinfarktrisiko sinkt um 50 Prozent.
    foto: gesund golfen/berger verlag

    Zwei Golfrunden wöchentlich und das Herzinfarktrisiko sinkt um 50 Prozent.

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