Wiener Kammeroper stellt Saisonprogramm vor

19. September 2008, 13:24
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Neben "Zephyre", "La Guirlande, "Le Pescatrici" und "Owen Wingrave"sind auch Workshops und ein "Haydn-Roundtable" geplant

Wien - Drei neue Produktionen bringt die Wiener Kammeroper in der kommenden Saison. Daneben stehen mit "Die Kunst der Stunde" Workshops auf dem Programm, in denen Schüler einen Einblick in unbekannte Musikstücke erhalten. Außerdem ist im Februar ein "Haydn-Roundtable" geplant. "Die Wiener Kammeroper steht für musikalische Entdeckungen und aktuelle Inszenierungen. Sie ist Plattform und Sprungbrett für junge, neue Stimmen", sagte Holger Bleck, gemeinsam mit Isabella Gabor Leiter des Hauses, bei der gestrigen Spielplanpräsentation.

"Ein Franzose würde auch zu einem Requiem ein Ballett aufführen"

Gestartet wird am 25. September mit der Österreichischen Erstaufführung der Balletteinakter "Zephyre" (als "szenische Uraufführung") und "La Guirlande" von Jean-Philippe Rameau. "Man übersieht oft, dass Rameau ein berühmter Zeitgenosse von Bach und Händel war", sagte Dirigent Bernhard Klebel. Die französische Musik des Barock werde in Wien extrem vernachlässigt. "Es sind leichte Werke mit einer ungewöhnlichen Instrumentation." Der Tanz sei ein wichtiger Bestandteil. "Ein Franzose würde auch zu einem Requiem ein Ballett aufführen", erklärte Klebel. Giorgio Madia ist Regisseur und Choreograph dieser Produktion.

Vom 17. bis 21. November finden unter dem Motto "Die Kunst der Stunde" Workshops für Schüler statt, die einen Zugang zu fremder, unbekannter Musik erarbeiten wollen. Die künstlerischen Aktivitäten der Teilnehmer sollen dabei im Vordergrund stehen.

"Eine Rarität" kommt laut Holger Bleck mit Haydns früher Oper "Le Pescatrici" ("Die Fischerinnen") ab 21. Februar 2009 auf die Bühne. 1779 waren große Teile der Partitur bei einem Feuer im Esterhazer Theatergebäude verbrannt. Präsentiert wird die rekonstruierte Oper in einer Fassung von H.C. Robbins Landon und Karl Heinz Füssl. Am 23. Februar wird passend zum Haydn-Jahr 2009 ein "Haydn-Roundtable" in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und den Wiener Vorlesungen veranstaltet.

Benjamin Brittens "Owen Wingrave" folgt ab 23. Mai. "Es ist eines von Brittens eindringlichsten pazifistischen Bekenntnissen", betonte Isabella Gabor. Die Oper in zwei Akten konzentriere sich ganz auf das Innenleben im Konflikt mit der Außenwelt während der letzten Tage im Leben einer Person. "Hier lassen sich einige versteckte Qualitäten entdecken", meinte Gabor.

Die gefürchtete Liste

Die Kammeroper wird mit 1,35 Millionen Euro gefördert, wobei 650.000 Euro vom Bund kommen, 700.000 Euro von der Stadt Wien. Auf der kürzlich bekanntgewordenen Liste des Kulturministeriums, auf der 40 österreichische Kulturinstitutionen angeführt sind, deren Förderungen "auslaufen sollten", steht auch die Kammeroper. Holger Bleck: "Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob da etwas dran ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Ministerin Schmied nicht weiß, was in ihrem Haus läuft." Das Gefühl, Bittsteller zu sein, begleite ihn schon lange. "Das Problem sind eigenmächtig handelnde Beamte, die versuchen, selbst Kulturpolitik zu machen. Dadurch geht viel in der österreichischen Kulturszene kaputt", betonte der Leiter der Kammeroper. (APA)

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