Seuche der Zunkunft

19. September 2008, 13:28
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Welt-Alzheimertag: Waren es 2000 noch 7,1 Millionen Erkrankte in Europa so werden es bis 2050 16,2 Millionen sein - Experte: "Seuche, so wie Aids für Afrika."

Wien - Immer mehr Patienten, immer mehr Angehörige, welche die Betroffenen rund um die Uhr betreuen müssen - bis zur Unterbringung in Pflegeheimen: Die Zahl der Demenz-Kranken wird in den kommenden Jahrzehnten in Europa um mehr als das Doppelte  steigen. Von 7,1 Mio. im Jahr 2000 auf 16,2 im Jahr 2050. Die meisten davon sind Patienten mit Alzheimer-Demenz.

Überalterte Bevölkerung

Die Zahl der Kranken mit Hirnleistungsstörungen - rund zwei Drittel davon entfallen auf Morbus-Alzheimer - ist im Grunde eine Auswirkung der Altersentwicklung der Bevölkerung. Darauf hat auch der Wiener Psychiater Johannes Wancata hingewiesen, der in den vergangenen Jahren zwei Studien über die Häufigkeit der Demenzerkrankungen in Österreich und Europa veröffentlicht hat.

Anteil der Alten in Europa am höchsten

Unser Kontinent ist demnach eine jener Regionen der Welt, in der die Überalterung der Bevölkerung am weitesten fortgeschritten ist. Der Anteil der älteren Personen (60 Jahre und darüber) war im Jahr 1998 in Europa höher (20,3 Prozent) als in Nordamerika (16,2 Prozent) und auf allen anderen Kontinenten.

Die wichtigsten Daten, die bei den Gesundheits- und Sozialpolitikern die Alarmglocken anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September läuten lassen sollten:

  • - Im Jahr 2000 gab es in Europa 7,1 Millionen Demenz-Kranke. Rund 4,7 Millionen Patienten litten an Morbus-Alzheimer.
  • - Im Jahr 2030 werden in Europa rund 11,9 Millionen Personen mit Hirnleistungsstörungen leben, etwa 8 Millionen davon mit der Alzheimer-Krankheit.
  • - 2050 sollen es schließlich auf dem Kontinent 16,2 Millionen demente Menschen sein, 11,2 Millionen davon Alzheimer-Patienten.
  • - Auch der jährliche Zuwachs an neuen Kranken mit Hirnleistungsstörungen wird stark ansteigen. Im Jahr 2000 waren es 1,85 Millionen (davon eine Million Alzheimer-Kranke). Im Jahr 2030 werden solche Erkrankungen bei rund 3,1 Millionen Personen diagnostiziert werden, davon bei 1,7 Millionen die Alzheimer-Krankheit. Die Daten für 2050: 4,1 Millionen neue Patienten mit Demenz (2,3 Millionen Alzheimer-Patienten).

Entwicklung in den nächsten Jahren

Deutlich wird die Entwicklung auch bei der Relation der Zahl der Menschen mit Hirnleistungsstörungen und der arbeitenden Bevölkerung. Demnach gab es 1951 in Österreich 35.500 Demenz-Kranke. Im Jahr 2000 waren es 90.500. Im Jahr 2050 werden es 233.800 sein. Die Relation zwischen einem Patienten und den Menschen im erwerbsfähigen Alter wird dann bereits bei eins zu 17 liegen.

Fehlendes soziales Netzwerk

"Das ist 'die Sache' für Europa und die USA. Das ist für Europa das, was Aids in Afrika ist", warnte vor einiger Zeit der Spezialist Georg Psota vom Zentrum für Alterspsychiatrie der Psychosozialen Dienste (PSD) in Wien. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch das Faktum, dass das fragile Netzwerk zur Betreuung der Betroffenen durch den Trend zur Kleinfamilie beziehungsweise zum Single-Dasein immer schwächer wird.

Versorgung nicht gesichert

Der Psychiater sagte: "Vier von fünf Dementen leben in Österreich derzeit zu Hause. Drei von vier Demenzkranken werden von Familienangehörigen betreut. Doch zwei von drei betreuenden Angehörigen sind selbst über 60 Jahre alt." In "Ein-Personen-Haushalten mit Katze" als typischer Lebensstil könne man die Demenzkranken nicht versorgen. (APA)

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    Im Jahr 2030 werden in Europa rund 11,9 Millionen Personen mit Hirnleistungsstörungen leben, etwa 8 Millionen davon mit der Alzheimer-Krankheit.

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