Gutes Geld verdienen

21. September 2008, 16:46
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Profit zu erzielen und gleichzeitig Gutes zu tun hat einen neuen Namen: Mikrofinanz-Fonds versprechen gerade in unsicheren Finanzmärkten stabile Erträge

In turbulenten Börsenzeiten wie diesen sind Anleger verunsichert. Selbst die angeblich sichersten Fonds und Anlagekonstrukte geraten ins Wanken oder stehen zumindest in Verdacht, Anlegern nicht die erwartete Rendite zu bringen. Kritik an zu wenig regulierten Finanzmärkten und an den unüberschaubar komplizierten Investmentprodukten macht sich lautstark bemerkbar.

Im zweiten Quartal mussten österreichische Investmentfonds Kursverluste von knapp über einer Milliarde Euro verschmerzen, heißt es von Seiten der Oesterreichischen Nationalbank. Die Anleger seien sehr zurückhaltend und investieren weniger in Fonds. Für das erste Halbjahr 2008 ergab sich eine kapitalgewichtete durchschnittliche negative Gesamtperformance aller österreichischen Investmentfonds von 5,3 Prozent. Wie hoch die Verluste im dritten Quartal nach dem jüngsten Crash am US-amerikanischen Finanzsektor ausfallen werden, ist noch nicht abschätzbar.

Der Dominoeffekt, den die Krisen auf den internationalen Märkten und letztendlich auch auf die darin investierten Fonds auslösen, bleibt eines der größten Risiken für jeden Anleger. Marktunabhängigkeit ist das Schlagwort. Ethische Investments werden schon seit Jahren zum Trend erklärt und finden nun seit geraumer Zeit auch ihre Fortführung in so genannten Mikrofinanz-Fonds.

Mikrofinanzinstitute sind zuletzt verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt, als einer der Urväter des Prinzips Mikrokredite, Muhammad Yunus, im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis erhielt. Der Wirtschaftswissenschafter aus Bangladesch gründete 1983 die Grameen Bank, die seitdem Mini-Darlehen in der Höhe von mehr als 6,5 Milliarden Dollar vergeben hat.

Hilfe zur Selbsthilfe

Der Grundgedanke ist einfach: Mikrofinanzinstitute vergeben Kleinstkredite, oftmals unter 100 Euro. Das Ziel ist es, Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern Möglichkeiten zu eröffnen, sich eine Existenz aufzubauen zu können. Hilfe zur Selbsthilfe. Die Kredite gehen auch an Personen, die bei konventionellen Banken, meilenweit entfernt von jeder Kreditwürdigkeit, niemals Geld ausleihen könnten.

Wofür das Geld verwendet wird, ist sehr unterschiedlich. "In den Städten ist es meist Working Capital für Händler aller Art, während in den ländlichen Gegenden die Kredite für Arbeitsmittel, Saatgut usw. angefordert werden", erklärt Günther Kastner, Geschäftsführer von Absolute Portfolio Management, die den "Dual Return - Vision Microfinance Fund" verwaltet.

Interessant sind Mikrofinanz-Fonds gerade für all jene, die in unruhigen Finanz-Zeiten auf eine stabile Rendite hoffen. Die Korrelation zwischen Mikrofinanz-Fonds und den generellen Marktbewegungen ist nur äußerst gering. Mikrofinanzinstitute (MFI) decken den täglichen Bedarf ihrer Kunden und haben so mit den Entwicklungen an den Weltmärkten nichts zu tun. "Ein Händler in zB Eriwan, Armenien geht täglich auf den Markt und verkauft seine Waren unabhängig von den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region", erklärt Kastner.

Diversifikation und Risikostreuung scheinen hier nicht nur Alibi-Kategorien zu sein. Es wird in eine Vielzahl von Instituten in verschiedenen Ländern investiert, deren Mikro-Wirtschaftsräume kaum bis gar nicht miteinander verknüpft sind. Die Auswahl der Mikrofinanz-Institute stellt aber auch hier den zentralen Punkt in der Risikominimierung dar. Für den "Dual Return Fund" dient das Rating der Genfer Agentur Symbiotics als Grundlage, der Fonds ist in MFIs in Lateinamerika, Osteuropa und Asien investiert.

Anleger willkommen

Zunehmend kommt das Geld der Mikrofinanz-Institute vom Kapitalmarkt, unter anderem über Mikrofinanzfonds. Und der Markt verspricht viel Potenzial. Laut Weltbank werden derzeit nur rund vier Prozent des globalen Bedarfs an Mikrokrediten erfüllt, die Nachfrage ist also noch sehr groß. Schätzungen der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zufolge werden ausstehende Mikrofinanzkredite im Jahr 2019 ein Volumen von 300 Milliarden Dollar erreichen und ca. zehn bis zwanzig Prozent davon werden durch Mikrofinanz-Fonds abgedeckt werden, so Kastner.

Mit einer Mindesteinlage von 20.000 Euro richtet sich der "Dual Return - Vision Microfinance Fund" eher an vermögende Privatkunden, Stiftungen und institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Banken. Kleinanleger können aber über ein Zertifikat der Erste Bank mit 1.000 Euro in den Fonds investieren. Die Zielrendite orientiert sich laut Günther Kastner am Euribor (derzeit bei 4,25 Prozent), den es zu schlagen gilt. "Im Moment erzielt der Fonds sehr gleichmäßige Erträge von rund 0,5 Prozent pro Monat, das heißt, wir erwarten für dieses Jahr sechs Prozent", erklärt Kastner. (Daniela Rom, derStandard.at, 21.9.2008)

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    Mikrofinanz-Fonds beruhigen nicht nur das Gewissen von Anlegern, sondern sind dank einer stabilen Performance gerade für Anleger interessant, die auch in unsicheren Zeiten nicht auf Erträge verzichten wollen.

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    2006 ging der Friedensnobelpreis an Muhammad Yunnus und seine Grameen Bank.

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