FPÖ strandet auf Weg zu Anti-Islam-Kongress

19. September 2008, 18:55
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Rechtsradikale aus ganz Europa wollten in Köln ihre Zusammenarbeit gegen Islamismus verstärken - Demonstranten setzten Delegation am Rhein fest

Maßgeblich unterstützt die FPÖ eine Kölner Konferenz, bei der Rechtsradikale aus ganz Europa ihre Zusammenarbeit gegen den Islamismus verstärken. Doch schon am ersten Tag setzten Demonstranten die Delegation am Rhein fest.

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Köln/Berlin - "In der heutigen Zeit legt die Bonner Personenschifffahrt verstärkt Wert auf Schiffstouren mit Programm", heißt es auf der Homepage. Harald Vilimsky ist dennoch höchst unzufrieden. "Wir sitzen seit Stunden auf einem Schiff namens Moby Dick am Rhein fest", schildert der FPÖ-Generalsekretär am Freitagnachmittag dem Standard per Handy seine Lage. Gemeinsam mit der Nationalratsabgeordneten Dagmar Berlakowitsch-Jenewein, dem Wiener Stadtrat Johann Herzog und dem Wiener Abgeordneten Johann Gudenus war er eigentlich zum "Anti-Islamisierungs-Kongress" des rechtspopulistischen Vereins "pro Köln" in die Domstadt gekommen.

Doch schon bei der Eröffnungspressekonferenz attackieren Demonstranten das am Ufer liegende Schiff mit Steinen. Der Kapitän legt in Panik ab und traut sich nicht mehr zurück, weil überall Demonstranten "lauern". Die unverhoffte Freizeit lässt Vilimsky nicht untätig verstreichen: Er fordert das Wiener Außenamt auf, bei den deutschen Kollegen eine "scharfe Protestnote" einzulegen, Deutschland sei "auf dem Weg zur Bananenrepublik". Konter der Polizei: ",Pro Köln' hat uns nicht mitgeteilt, wohin sie wollen. Man spielte mit uns Katz und Maus."

Eine für den Nachmittag geplante Bustour der Teilnehmer durch die multikulturellen Viertel Kölns hatte die Polizei verboten. Polizei-Einsatzleiter Michael Temme sagte, die Bustour sei eine "nicht hinzunehmende Provokation" bestimmter Bevölkerungsgruppen, deshalb müsse mit Unruhen und Gewalttätigkeiten gerechnet werden.

Die unfreiwillige Bootstour ist nicht die einzige Blamage der Veranstaltung, bei der eine gemeinsame Liste für die nächste EU-Wahl erstellt werden soll. Vollmundig hatte "pro Köln" den Franzosen Jean-Marie Le Pen sowie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als Starredner für den Samstag angekündigt. Le Pen aber verweigerte sein Kommen. Und Strache wollte dann auch nicht nach Köln.

Ganz allein lässt er die "pro Kölner", die wegen des Verdachts rechtsextremistischer Bestrebungen vom Verfassungsschutz beobachtet werden und massiv gegen den Bau einer Moschee in Köln Front machen, aber nicht. "Es geht um die Rettung des europäischen, christlichen Abendlandes. Wer zu uns kommt, hat sich an unsere Leitkultur anzupassen", erklärt er in einer Video-Grußbotschaft.

Schon im Juni hatte Strache sich auf der Homepage von "pro Köln" für den Kongress starkgemacht: Man dürfe nicht zulassen, dass "die eigenen Kinder als ,Schweinefleischfresser' beschimpft werden, dass unsere Töchter den gierigen Blicken und Händen ganzer Zuwandererhorden ausgesetzt sind". Zum Kongress am Samstag werden 1500 Gäste erwartet, darunter Filip Dewinter von der belgischen Vlaams-Partei und Mario Borghezio, EU-Abgeordneter der italienischen Lega Nord. 40.000 Menschen wollen dagegen protestieren. (red/Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 20./21.9.2008)

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    "Pro Köln"-Aktivisten am Rheinufer

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    Mit Steinwürfen und Farbbeutelattacken haben rund 100 Demonstranten versucht, die Auftakt-Pressekonferenz zum Anti-Islamisierungskongress zu verhindern.

  • Die Schiffahrt auf dem Rhein dauerte länger als geplant
    foto: epa

    Die Schiffahrt auf dem Rhein dauerte länger als geplant

  • Polizisten müssen einschreiten, nachdem ein "pro Köln"-Aktivist
(Zweiter von re.) von einem Demonstranten attackiert wird.
    foto: epa

    Polizisten müssen einschreiten, nachdem ein "pro Köln"-Aktivist (Zweiter von re.) von einem Demonstranten attackiert wird.

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