Der ganze Körper leidet

19. September 2008, 12:02
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Jeder vierte Österreicher über 40 leidet an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) - Der "Raucherhusten" belastet aber nicht nur die Lunge

Wien - Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) betrifft rund eine Million Menschen in Österreich.  Zumeist endet der "Raucherhusten" mit einem zunehmenden Lungenversagen.

"Der ganze Körper leidet", betonte der spanische Experte Alvar Agusti,  "Die COPD kann nicht nur als Krankheit der Lunge gesehen werden. Sie ist zumeist von einer ganzen Bandbreite an Konsequenzen begleitet, die den ganzen Körper treffen. Es handelt sich dabei offenbar auch um eine chronische Entzündung, die den gesamten Organismus erfasst", stellte der Wissenschafter beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) in Wien fest.

Typ-2-Diabetes

COPD-Patienten erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes. Schon die Diabetes-Vorstufe, das metabolische Syndrom (Übergewicht, Stoffwechselstörungen, erhöhte Lipide im Serum), bedeutet ein höheres Risiko für akute Gefäßverschlüsse (z.B. Herzinfarkt).

Osteoporose Risiko

Auch wenn COPD-Kranke kein Cortison einnehmen, ist ihr Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose ("Knochenschwund") deutlich erhöht.

Entzündung

Entzündungsparameter wie zum Beispiel die Konzentration des stärksten körpereigenen Entzündungs-Botenstoffs TNF-alpha oder CRP - weisen bei COPD-Patienten zumeist höhere Werte auf.

Chronische Herzinsuffizienz

Mehr als 20 Prozent der Kranken haben auch noch zusätzlich eine chronische Herzinsuffizienz.

Oxidativer Stress

Insgesamt scheint es im Rahmen einer COPD generell zu einer Aktivierung des Immunsystems mit schädigendem oxidativen Stress zu kommen.

Rundum Betreuung und neue Therapieansätze

Fazit für den Experten: Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung benötigen medizinisch eine echte "Rundum-Betreuung", die nicht nur auf die Lunge als zunächst hauptbetroffenes Organ konzentriert ist, sondern alle gesundheitlichen Probleme umfasst.

Und schließlich könnte diese neue Sicht der COPD auch zur Entwicklung von völlig neuen Strategien in der Therapie führen, die über das Bremsen des Lungenfunktionsverlustes allein hinausgeht. (APA)

  • Am Beginn steht in den meisten Fällen das Rauchen. Ein gewisser Prozentsatz der 
Raucher gleitet schließlich in die COPD ab.
    foto: epa/ers/handout

    Am Beginn steht in den meisten Fällen das Rauchen. Ein gewisser Prozentsatz der Raucher gleitet schließlich in die COPD ab.

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