Fast die Hälfte der Journalisten schlecht abgesichert

19. September 2008, 10:59
4 Postings

44 Prozent von erhobenen 463 Journalisten in Oberösterreich befinden sich in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis

44 Prozent von erhobenen 463 Journalisten in Oberösterreich befinden sich in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis und sind daher kollektivvertragsrechtlich nicht abgesichert. Das ergab eine Studie des Institutes für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung (IBE) an der Linzer Johannes Kepler Universität. Die Journalistengewerkschaft hat sie Donnerstagabend in Linz präsentiert und als Konsequenz eine arbeitsrechtliche Angleichung der freien Dienstnehmer an Angestellte gefordert.

Der Vorsitzende der Oö. Journalistengewerkschaft Eike-Clemens Kullmann machte darauf aufmerksam, dass ein atypisches Beschäftigungsverhältnis keine kollektivvertraglich abgesicherten Rechte wie Mindestgehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, keine Abfertigung, keinen bezahlten Urlaub und keine betriebsrätliche Vertretung bedeute.

Grenze zur Selbstausbeutung

Die Studie des IBE ist unter der Leitung von Dieter Daume und im Auftrag der Gewerkschaft der Privatangestellten Druck - Journalismus - Papier sowie der Arbeiterkammer Oberösterreich entstanden. Journalisten - so ergab die Untersuchung - würden über ein stark ausgeprägtes Streben nach Freiheit und Flexibilität verfügen. Medienunternehmen komme diese Eigenschaft zugute. Aber besonders junge Journalisten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen befänden sich auf einer Gratwanderung. Freiheit und Flexibilität würden solange akzeptiert, bis die Grenze zur Selbstausbeutung überschritten sei und die Arbeitssituation als prekär wahrgenommen werde.

In den Befragungen hätten Journalisten über hohen Zeitdruck geklagt und über Schwierigkeiten, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen, so die Studie. Die 40-Stunden-Woche stelle für "Freie" wie "Fixe" die Ausnahme dar, 40 bis 60 Stunden pro Woche seien die Regel. Sonderdienste und "Mehrarbeit" würden als jobimmanent betrachtet.

Einstieg über Praktikum

Der Einstieg in den Journalismus erfolgt laut Studie meist über ein Praktikum oder Volontariat. Der weitere Weg sei ein atypisches Arbeitsverhältnis in der Form von unter anderem freien Dienstverträgen, Werkverträgen, geringfügiger Beschäftigung, befristetem Dienstverhältnis und Teilzeitarbeit. Im Fall von Bewährung durch Vielseitigkeit, Flexibilität, Mobilität, aber auch Bereitschaft zu geringer Bezahlung und Selbstausbeutung bestehe die Chance auf ein Normalarbeitsverhältnis. Die befragten Journalisten schätzen die Situation am Arbeitsmarkt durch neue Medien derzeit als besser ein. Strebe man allerdings eine Fixanstellung an, stünden die Chancen schlecht.

Der Landesvorstand der Journalistengewerkschaft Oberösterreich (GPA-DJP) forderte als Konsequenz aus der Studie den Stopp der "Kollektivvertragsflucht," die arbeitsrechtliche Angleichung der freien Dienstnehmer an Angestellte und damit den Stopp der Ausbeutung journalistisch Tätiger. (APA)

Share if you care.