Linkswählen als "Todsünde"

19. September 2008, 06:57
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Wahlkampf" in Dorf bei Laibach - Erzdiozöse distanziert sich von "übereifrigem" Pfarrer

Laibach/Wien - Eine drastische Entscheidungshilfe vor der Parlamentswahl am Sonntag hat ein slowenischer Pfarrer seinen Schäfchen geboten. Wer bei dem Urnengang für die oppositionellen Linksparteien stimmt, "begeht eine Todsünde", heißt es in den Pfarrnachrichten der Pfarre Bevke bei Laibach, die am Donnerstag von der Tageszeitung "Delo" veröffentlicht wurden. Dies ging selbst dem Laibacher Erzbischof Alojz Uran zu weit: Er forderte Pfarrer Janez Ockon auf, den Text sofort von der Anschlagstafel der Pfarre zu entfernen.

"Über Leichen gehen"

"Ihr sollt euch bewusst sein, dass ihr als Christen verpflichtet seid, eure Stimme einer Partei zugeben, die nicht gegen die Kirche ist und sie zerstört. Jeder, der eine Partei wählt, die gegen die moralischen Vorschriften und die Kirche als Institution arbeitet, begeht eine Todsünde", heißt es im Pfarrblatt unter dem lapidaren Titel "Wahlen zur Staatsversammlung". Die Linke würde "alles tun", um wieder an die Macht zu gelangen, "sie würde sogar über Leichen gehen", warnt der Pfarrer. Um sich zu helfen, halte sich die Linke vor der Wahl bewusst mit Angriffen auf die Kirche zurück und gründe sogar "Parteien mit christlichem Vorzeichen". "Betet zum Heiligen Geist, damit er euch erleuchte und ihr euch richtig entscheiden werdet zum Wohle unserer Heimat und ihr keinen Manipulationen aufsitzen werdet."

"Privatmeinung"

Die Erzdiözese Laibach distanzierte sich in einer Stellungnahme vom Inhalt des Pfarrblatts, "das in einigen Teilen der offiziellen Lehre der Kirche widerspricht". Es handle sich überdies nur um die Privatmeinung von Pfarrer Ockon, der den Text nach einer entsprechenden Aufforderung durch Erzbischof Uran bereits von der Anschlagstafel der Pfarre entfernt habe.

Die katholische Kirche hat in Slowenien einen schweren Stand, gilt das postkommunistische Land doch als eine der am stärksten säkularisierten Gesellschaften Europas. Zwar bezeichnet sich eine Mehrheit der Slowenen als katholisch, am Kirchenleben nimmt jedoch nur eine kleine Minderheit teil. Auch nach dem Ende des Kommunismus gilt in Slowenien eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Die linksgerichtete Opposition wirft der Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Jansa vor, diese verfassungsrechtlich verankerte Trennung aushöhlen zu wollen, etwa durch die Zulassung katholischer Privatschulen und von Seelsorgern in Armee und Polizei. (APA)

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