Barbara Lüthi ist "CNN Journalist of the Year 2008"

18. September 2008, 22:38
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Für Reportage über Landenteignungen in China im Schweizer Fernsehen zur besten jungen Journalistin im deutschsprachigen Raum gekürt

Barbara Lüthi, China-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens, darf sich "CNN Journalist of the Year 2008" nennen. Mit dem Preis, der am Donnerstag in München zum vierten Mal vergeben wurde, zeichnet CNN jährlich den besten Beitrag von Journalisten aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz aus. Für die Bewerber gilt dabei ein Alterslimit von 34 Jahren.

Beitrag über illegale Enteignungen in China

Lüthi bekam die Auszeichnung für einen Beitrag im TV-Magazin "Rundschau". In der Reportage ging es um chinesische Bauern, die von den Provinzbehörden illegal enteignet worden waren, um auf ihrem Land Wohnbauten zu errichten. Eine von der Zentralregierung versprochene Entschädigung haben sie nie erhalten, weil das Geld in den Taschen korrupter Beamten landete. Bauern, die versuchen, auf ihr Land zurückzukehren, drohen teilweise immer noch Gewaltexzesse durch Schlägertrupps.

Verhaftungen "gehören einfach dazu"

Jurymitglied Uli Baur, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus, hob in seiner Laudatio den kühlen, distanzierten Sprachstil Lüthis hervor, der es dem Zuseher selbst überlasse, ein Urteil über das Gesehene zu fällen. Lüthi wurde während der Dreharbeiten von lokalen Behörden kurzzeitig verhaftet und musste einige Tage im Gefängnis verbringen. Sie ließ sich davon aber nicht beirren. Sie sei während ihrer Arbeit in China schon acht oder neun Mal verhaftet worden, sagte sie: "Das gehört einfach dazu." Lüthi hatte schon einmal einen CNN Award in der Kategorie Fernsehen gewonnen.

Nominierung auch für derStandard.at

In der Kategorie Online ging der CNN Award 2008 an Malte Borowiack von ZDF.de. Der 26-Jährige hatte mit großem technischen Aufwand die möglichen Folgen des weltweiten Klimawandels in einer multimedialen, interaktiven Webpräsentation aufbereitet. Nominiert war in dieser Kategorie, als einzige österreichische Nominierung des Jahres, auch Sonja Fercher von derStandard.at mit "LeBlog" über den französischen Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2007.

Streit um Online-Finanzierung

Die Entscheidung in der Kategorie Online "war sehr umstritten", sagte Jurymitglied Dominik Wichmann, der Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Hintergrund ist ein seit längerer Zeit schwelender Streit um die Finanzierung der Online-Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Einzelne Juroren sprachen sogar von einer "Materialschlacht".

Wolf-Dieter Ring von der bayerischen Medienregulierungsbehörde BLM kritisierte, dass sechs der zwölf nominierten Beiträge im öffentlich-rechtlichen Rundfunk entstanden waren: "Wenn die mehr Geld brauchen, beantragen sie es und kriegen es in der Regel auch bewilligt. Das ist eine Situation, von der der Chefredakteur einer Zeitung nur träumen kann."

Porträt von Obamas Oma ausgezeichnet

In der Kategorie Print hieß der Gewinner des Awards Alexandros Stefanidis vom Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die Jury zeichnete ihn für ein Porträt der in Kenia lebenden Großmutter von US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama aus. Der Text war 40 Mal in anderen Medien im gesamten deutschsprachigen Raum nachgedruckt worden. Stefanidis war auf sehr unspektakuläre Art und Weise auf die Idee zu dem Artikel gekommen: Während eines Strandurlaubs in Italien hatte er in einem italienischen Magazin ein Foto von Obamas Großmutter gesehen, verriet er bei der Preisverleihung.

Zu wenig Originalität im Radio

Für den besten Radiobeitrag des Jahres wurde Sven Preger von WDR 5 ausgezeichnet. Es handelte sich dabei um ein aufwändig gestaltetes Feature zum fünften Jahrestag des Absturzes der US-Raumfähre Columbia. Insgesamt sei bei den Radiobeiträgen aufgefallen, dass kaum mehr mit journalistischen Formaten experimentiert werde, bemängelte Jurymitglied Klaus Liedtke, Chefredakteur des Magazins National Geographic Deutschland. Originalität als journalistisches Qualitätsmerkmal müsse wieder größer geschrieben werden.

Pressefotos überzeugten nicht

In der Kategorie Bild wurden dieses Jahr keine Nominierungen vergeben. "Wir hatten nicht allzu viele Einsendungen und wir hatten bei vielen Fotos auch das Gefühl, die schon einmal gesehen zu haben", begründete Juryvorsitzende Uta Thofern, die Chefredakteurin von DW-world.de, die Entscheidung.

Vorjahressieger Christoph Feurstein

Der "CNN Journalist Award" zur Förderung des journalistischen Nachwuchses ist mit je 20.000 Euro dotiert. Gesamtsieger des Vorjahres war ORF-Journalist Christoph Feurstein für seinen Beitrag zum Thema 20 Jahre Tschernobyl. Dieses Jahr konnten die User erstmals via Online-Voting ihre Meinung über die eingereichten Beiträge abgeben, der die Jury bei den Nominierungen in einigen Fällen gefolgt ist, in anderen nicht. Österreich ist in der Jury durch ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher vertreten. CNN vergibt den Preis nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in Afrika, Indien, Brasilien und Südkorea. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 19.09.2008)

  • Ausgezeichnet: TV-Reportage über Landenteignung in China.
    foto: cnn

    Ausgezeichnet: TV-Reportage über Landenteignung in China.

  • Preisträgerin Barbara Lüthi und Jurymitglied Uli Baur.
    foto: cnn

    Preisträgerin Barbara Lüthi und Jurymitglied Uli Baur.

  • Nachwuchsjournalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sonja Fercher (2. v. li.), ehemalige derStandard.at-Redakteurin und derzeitige
ZARA-Pressesprecherin, war in der Kategorie Online nominiert.
    foto: cnn

    Nachwuchsjournalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sonja Fercher (2. v. li.), ehemalige derStandard.at-Redakteurin und derzeitige ZARA-Pressesprecherin, war in der Kategorie Online nominiert.

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