Einzigartiges Innsbrucker Rundgemälde: Politiker wollen Kunstwerk verlegen

18. September 2008, 20:40
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Das Riesenrundgemälde ist eines von weltweit nur mehr vier existierenden - Experten sind strikt gegen eine Verlegung - Kein Grund für Tiroler Politiker, das Gemälde dort zu lassen

Innsbruck - "Ich werde das negative Gutachten des Bundesdenkmalamtes entkräften", gibt sich Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) kämpferisch. Wie, verrät sie nicht. Bis 28. September kann die Landesregierung zum Negativbescheid Stellung nehmen.

Gegen Übersiedlung in neues Museum

Ende August hatte sich das Bundesdenkmalamt gegen eine Übersiedlung des Panoramabildes in ein noch zu bauendes Museum am Bergisel ausgesprochen. Das Argument: Das Rundgemälde, das die legendäre Schlacht des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer gegen das napoleonisch-bayrische Heer 1809 zeigt, und das Gebäude, die Rotunde im Innsbrucker Saggen, bildeten eine untrennbare Einheit.

Bild müsste zerlegt werden

Derselben Meinung ist der Verein "Für unser Panorama": Klaudius Molling, selbst Bildhauer und Restaurator, hat das 1896 entstandene Kolossalgemälde aus der Nähe gesehen: "Farbe und Leinwand sind zu einer Einheit verwachsen. Für einen Transport müsste das Bild in kleine Stücke zerlegt werden. Es wäre nie mehr das ursprüngliche Panoramabild."

Nur mehr vier Rundgemälde existieren

Bereits Anfang 2008 hatte sich der Panorama Concil gegen einen Transfer des Rundgemäldes ausgesprochen, ebenso wie Experten eines Panoramakongresses in Dresden: Das Innsbrucker Riesenrundgemälde sei eines von weltweit nur mehr vier existierenden ursprünglichen Panoramen, sprach sich auch das Ludwig-Boltzmann-Institut gegen den Abtransport aus.

Umsiedlung von ÖVP geplant

Die mittlerweile marode Rotunde sei zudem mit relativ geringen finanziellen Mitteln zu renovieren. Kein Grund für Tiroler Politiker, das Gemälde dort zu lassen. Die Umsiedlung war bereits unter Ex- Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) für das Gedenkjahr 2009 geplant worden. 13 Millionen wurden für das Projekt Bergisel veranschlagt: Das Gemälde sei dann im historischen Kontext zu sehen.

Mittlerweile wurde der Bau des "Museum für Traditionskultur" gestoppt. Landesrätin Palfrader gibt sich noch nicht geschlagen. Eröffnet werde dann eben nicht im Gedenkjahr 2009, sondern 2010. Dann jährt sich immerhin Andreas Hofers Todestag zum 200. Mal. (Verena Langegger/DER STANDARD Printausgabe 19.9.2008)

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