Oberösterreicherin starb nach Entbindung: Primar fristlos gekündigt

18. September 2008, 20:22
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42-jährige Frau starb nach der Geburt ihres vierten Kindes im LKH Gmunden - Die Krankengeschichte der Frau sei nachträglich verändert worden

Knalleffekt im Fall jener 42-jährigen Frau, die nach der Geburt ihres vierten Kindes im LKH Gmunden starb. Ihre Krankenakte wurde nachträglich verändert. Nun wurde der Primar fristlos gekündigt, der Oberarzt suspendiert - Von Markus Rohrhofer

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Linz - "Die internen Ermittlungsergebnisse am LKH Gmunden in der Causa des Todesfalles I. T. haben eindeutig schwere Unregelmäßigkeiten in der Krankendokumentation zutage gebracht". Die Gesundheits- und Spitals-AG (Gespag) als Spitalserhalterin fand nach eingehender Prüfung am Donnerstag klare Worte.

Waren es am Mittwoch noch Unregelmäßigkeiten, die nicht ausgeschlossen werden konnten, platzte nur einen Tag später die Bombe: Die Krankengeschichte der verstorbenen Frau sei, laut Gespag, nachträglich verändert worden. Zu verantworten haben dies jetzt der behandelnde Oberarzt sowie der zuständige Abteilungsleiter.

Disziplinarverfahren

"Die Gespag sieht sich als Dienstgeber veranlasst, den betroffenen Oberarzt, der Beamter ist, mit sofortiger Wirkung vom Dienst zu suspendieren und ein Disziplinarverfahren einzuleiten", so Gespag-Pressesprecherin Jutta Oberweger im Standard-Gespräch. Bedauerlicherweise hätte man im Rahmen der Erhebungen auch festgestellt, dass der zuständige Abteilungsleiter "seinen Verpflichtungen, für die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Dokumentation zu sorgen, nicht nachgekommen ist.

Er hat damit seine Dienstpflichten gröblich verletzt, sodass in seinem Fall das Dienstverhältnis mit sofortiger Wirkung beendet wird." Um einen weiteren reibungslosen Ablauf der Versorgung der Patienten auf der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Gmunden zu gewährleisten, habe man mit dem Landeskrankenhaus Vöcklabruck entsprechende Vorbereitungen getroffen, so Oberweger.

Seltener Tod

T. starb am 2. September kurz nach der Geburt ihres Sohnes. Bei der 42-Jährigen war es während der Entbindung plötzlich zu gravierenden Problemen gekommen. In einer Notoperation versuchten die Ärzte ihr Leben zu retten, konnten der Frau aber nicht mehr helfen. Seither laufen Ermittlungen. Der Vater des Kindes erhebt schwere Vorwürfe und sieht Versäumnisse der Ärzte. Eine erste Sektion im Krankenhaus Vöcklabruck ergab zunächst einen Riss in der Gebärmutter. Kurze Zeit später tauchten Gerüchte auf, dass möglicherweise ein zweiter Riss im Uterus übersehen worden sei. Der Linzer Gerichtsmediziner Johann Haberl wurde von Staatsanwaltschaft Wels mit einer neuerlichen Untersuchung der Gebärmutter beauftragt.

Ungewöhnlicher Tod

"Das Organ ist noch nicht bei mir eingelangt. Aber prinzipiell ist es vollkommen egal, ob das nun ein oder zwei Risse sind. Das ändert am Verlauf nichts", erläutert Haberl am Donnerstag im Standard-Gespräch. Für ihn sei es aber "durchaus außergewöhnlich", dass jemand nach einem Gebärmutter-Riss stirbt. Haberl: "Das kommt sehr selten vor." Wichtig sei jetzt, dass die Zeit zwischen Geburt und Tod genau überprüft werde. "Da muss man schon schauen, ob da nicht vielleicht etwas passiert ist", ist Haberl überzeugt.

Wie am Freitag bekannt wurde, sollen jetzt mehrere ähnliche Operationen der Station auf mögliche Unregelmäßigkeiten hin überprüft werden. Der Rechtsvertreter des Witwers, der Anwalt Roland Schachinger aus Vöcklabruck, berichtete der APA Freitagnachmittag, dass er das Gespräch mit der Krankenhausbetreiberin, der Gesundheits- und Spitals AG (gespag) suche, um konkrete Rentenansprüche der hinterbliebenen Kinder und des Ehemannes in Form einer außergerichtlichen Einigung durchzusetzen.  (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe, APA,  19.9.2008)

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