"Wir schaffen das sonst nicht"

19. September 2008, 07:13
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Um noch eine Pleite zu verhindern, ist John Mack, Chef der Investmentbank Morgan Stanley, fieberhaft auf der Suche nach einem Käufer für sein Institut

Um noch eine Pleite zu verhindern, ist John Mack, Chef der Investmentbank Morgan Stanley, fieberhaft auf der Suche nach einem Käufer für sein Institut. Auch andere Banken benötigen so schnell wie möglich frisches Kapital.

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New York - Die Finanzkapitäne treiben hilflos im Wasser, die US-Finanzwirtschaft droht in der Flut an schlechten Nachrichten unterzugehen. Die Investmentbank Lehman ist bereits gesunken und Merrill Lynch konnte sich dank der Bank of America retten. Doch weitere Finanzunternehmen möchten in einen sicheren Hafen flüchten.

So auch die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley Trotz eines Rekordergebnisses im abgelaufenen Quartal ist die Aktie seit der Lehman-Pleite um über mehr als 44 Prozent gefallen. Vorstandschef John Mack sucht deshalb fieberhaft nach einem Käufer. Offizielle Gespräche gibt es bereits mit der Regionalbank Wachovia, die allerdings selbst ordentlich durchgebeutelt worden ist. Börseexperten bezweifeln daher die Sinnhaftigkeit des Deals. „Zweimal minus macht nicht plus", ätzte ein Fondsmanager. So ist Morgan Stanleys Übernahme durch Wachovia auch alles andere als fix.

Denn auch zwei Staatsfonds aus Asien sind im Gespräch um die zweitgrößte Investmentbank. Die Government of Singapore Investment Corporation und die China International Trust and Investment Company (Citic) interessieren sich für für das US-Flaggschiff. Der Fonds aus Singapur hatte bereits im Frühjahr 2008 mehr als 13,4 Milliarden Dollar in Anteile an der Schweizer UBS und der US-Investmentbank Merrill Lynch investiert. Der chinesische Staat ist am Dienstag zudem über die Bank of China mit 20 Prozent an der französischen Privatbank La Compagnie Financiere Edmond de Rothschild eingestiegen. Der Anteil ist über 236 Millionen Euro wert.

Auch in Amerika sind die Banker um schnelle Deals bemüht. Morgan-Stanley-CEO Mack hat laut New York Times auch die größte US-amerikanische Bank Citigroup um Kapital gebeten und auf eine Fusion der Banken gedrängt. Zu Citigroup-CEO Vikram Pandit sagte er laut Zeitung: „Wir brauchen einen Fusionspartner, sonst schaffen wir es nicht." Allerdings musste Citigroup in der Krise selbst bluten, ihr CEO war nicht bereit, für Morgan Stanley Geld in die Hand zu nehmen, weshalb bei Citigroup ein Staatsfonds einsteigen musste, die Abu Dhabi Investment Authority. Außerdem hat der Chef der Bank, Vikram Pandit, andere Pläne: Washington Mutual (WaMu). Die größte US-Sparkasse sucht Käufer. Interesse wird Citigroup und den US-Geldhäusern Wells Fargo und JP Morgan sowie der britischen HSBC nachgesagt. Auch bei Goldman Sachs gibt es Gerüchte über eine Übernahme.

Hoffen dürfen Verzweifelte auf die Staatsanwaltschaft sie untersucht, ob Spekulanten an der Wall Street mit illegalen Mitteln die Aktienkurse nach unten getrieben haben. Es habe eine „beträchtliche Zahl" von Beschwerden über sogenannte Short Seller gegeben, erklärte der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo. Er will herausfinden, ob sich Spekulanten verschworen haben, um mit der Streuung negativer Nachrichten Lehman und AIG einbrechen zu lassen. US-Präsident George W. Bush hält am Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Christopher Cox, fest. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain hatte dessen Entlassung gefordert, weil Cox das Vertrauen der Bevölkerung verraten habe. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2008)

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